Creep (GB/D 2004)

creep-2004Deutschland hat nicht so viele Stars in Hollywood, auch wenn die heimische Presselandschaft gern jeden als solchen bezeichnet, der nur mal in einer drittklassigen TV-Verfilmung mitgewirkt hat. Udo Kier („Blade”) und Jürgen Prochnow („Replacement Killers”) sind trotz etlicher kleinerer Auftritte definitiv nicht als internationale Stars zu werten, denn der Großteil des filmischen Schaffens dieser alten Haudegen ist immer noch in den Niederungen der Videotheken anzusiedeln. Ralph Möller reichte neben dem Schwarzenegger-Kumpel-Status eine Winz-Rolle in „Gladiator”, um groß raus zu kommen, im Anschluß gab es aber nichts Zählbares mehr von dem blonden Hünen zu sehen. Franka Potente scheint ein ähnliches Schicksal nicht bevorzustehen, selbst wenn sie nach einigen guten Rollen („Blow”, „Die Bourne Identität”) Hollywood angesichts mangels adäquater Angebote vorerst den Rücken kehrte.

Nun wohnt die junge Schauspielerin wieder fast um die Ecke und dürfte auch einige Rollenangebote mehr bekommen als zuletzt. Eine ihrer letzten Arbeiten war die Hauptrolle in der deutsch-britischen Co-Produktion „Creep”, die sie als Kate unter die Erde von London führt. Die ist eine junge Mitarbeiterin einer Modelagentur, die eines Tages auf dem Weg zu einer Party ist, auf der ihr Idol George Clooney anzutreffen sein soll. Die wenigen Stationen mit der U-Bahn sollten für Kate eigentlich kein Problem darstellen. Doch Kate schläft ein. Als sie wieder erwacht, ist der Bahnsteig verwaist, die Rolltreppen geben keinen Mucks von sich und die Türen zur Freiheit sind verschlossen. In den plötzlich einfahrenden Zug, der komplett frei von Fahrgasten zu sein scheint, steigt sie nur zu bereitwillig ein. Dort trifft sie auf einen alten Bekannten, der versucht sich an ihr zu vergehen, daran jedoch gehindert wird und plötzlich aus dem Zug gezogen wird. Schreie und Blut folgen, eine verlassene und verängstigte Kate bleibt zurück. Fortan befindet sie sich auf der Flucht, weiß jedoch nicht genau vor was oder wem. Auf ihrem Streifzug durch die verlassenen U-Bahn-Schächte trifft sie auf weitere Leidensgenossen, die alle nur überleben wollen.

Regie-Neuling Christopher Smith nahm sich für seine erste Arbeit hinter der Kamera solide Kost vor, wenn man sich zumindest den Inhalt von „Creep” vor Augen führt und auch das Genre des Horror-Thrillers sollte einen Debütanten nicht vor allzu große Probleme stellen. Keine Charakterstudien oder tiefgreifende Themengebiete, dafür düstere Locations en masse, die es in Form des U-Bahn-Labyrinths des Londoner Untergrunds zur Genüge gibt. Zudem hat Smith mit Franka Potente einen kleinen Star an der Angel, der vor allem in Deutschland Zuschauer ziehen dürfte. Stilistisch folgt er jedoch Schema-F und nahm sich das Handbuch des Horror-Films zur Hand. Innovationen sucht man hier entsprechend vergeblich. Sicherlich ist das Setting gut gewählt und bietet einmal einen etwas anderen Ort des Schreckens, doch düstere und verlassene Gänge hat es schon in anderen Filmen dieser Art zuhauf gegeben.

Potente spielt solide, allerdings wirkt ihre Originalstimme nicht immer treffend und als Scream-Queen wird sie sicherlich auch nicht in die Annalen der Filmgeschichte eingehen. Doch trägt sie den Film zu einem gehörigen Teil allein, denn alles um sie herum segnet bereits nach kurzer Dauer das Zeitliche und die Berlinerin ist wieder auf sich allein gestellt. Mehr als zweidimensionale Anrisse lässt die Zeit ihrer Figur nicht, um eine entsprechende Tiefenzeichnung vorzunehmen, denn der Film geht eigentlich ein hohes Tempo und wirft seine Hauptdarstellerin schnell mitten in den Horror hinein. Als Opponent muss eine Missbildung aus angefaultem Mensch mit Lepra herhalten, dessen Geschichte jedoch fast ausschließlich verborgen bleibt. Gründe für das Töten werden ebenso wenig genannt, wie die Erklärung gegeben, was diese Kreatur (Sean Harris) eigentlich darstellen soll.

Auf der Spannungsebene funktioniert „Creep” nicht immer, denn wirkliche Spannungsmomente sind selten. Zwar sind die Bilder stets düster gehalten, doch der Spannungsbogen entgleitet Smith vor allem nach etwa einer halben bis dreiviertel Stunde, wenn die Protagonisten dann nur noch von Gang zu Gang vor dem Bösen fliehen. Recht ungehalten gibt sich Smith allerdings in seinen Gewaltszenen, die frei von ironischen Zitaten und Anspielungen sind. Manchmal werden diese zwar nur angedeutet, bspw. wenn einer gefesselten Frau ein krummes Messer in den Vaginalbereich eingeführt wird, an anderer Stelle jedoch gibt es auch ordentliche Gore-Elemente zu sehen (aufgespießter Kopf, aufgerissene Halsschlagader), die jedoch den Film letztlich auch nicht sonderlich über durchschnittliches Niveau bringen. Dafür wurde aber mal wieder die übliche Diskussion der Altersfreigabe diskutiert, mit seiner Deklarierung ab 16 liegt die FSK trotz einiger Härten immer noch richtig.

Trotzdem ist „Creep” ist nur einer unter vielen, ein Film der gern mehr wäre als er eigentlich ist, wenn auch immer noch gelungener als etwa „House of Wax”. Wer es düster mag und sich auch nach dem x-ten Film gleicher Gangart gruselt, darf hier zugreifen, die Erwartungshaltung sollte jedoch nicht in den Himmel steigen.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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