Crazy Heart (USA 2009)

crazy-heartEs gibt Filmwerke, bei denen herausragende Darstellerleistungen einfach jeden Makel überstrahlen. „Crazy Heart“ ist die Geschichte des abgehalfterten Country-Stars Bad Blake (grandios: Jeff Bridges), der in seinem alten Truck durch die USA tingelt und mit unbekannten Begleitbands in verlotterten Bars spielt. Blake ist Alkoholiker und reibt den verblassten Ruhm für ein paar Dollar vollends auf. Allein die Geldnot hält ihn auf der Straße. Seit Jahren hat der einst gefeierte Musiker keine neuen Songs geschrieben und vergeudet sein Talent an Whisky und flüchtige Thekenbekanntschaften.

Das Regiedebüt des Schauspielers Scott Cooper („Broken Trail“), der, inspiriert von der Biographie des 2007 gestorbenen Country-Sängers Hank Thompson, auch das Drehbuch schrieb, zeigt den Fall ins Bodenlose so unaufdringlich wie klischeehaft. Ausgelassen wird nichts. Erst recht nicht die zwangsläufige Läuterung. Die kommt durch die Begegnung mit der Kleinstadt-Journalistin Jean (Maggie Gyllenhaal, „Away We Go“) in Gang, die für ein Lokalblatt ein Interview mit dem von alten Fans als lebende Legende gefeierten Blake führen will.

Der kaputte Sänger und die alleinerziehende Schreiberin kommen sich über alle Unterschiede hinweg näher. Selbst ihr vierjähriger Sohn fasst Vertrauen zu ihm. Für Country-Star Tommy Sweet (Colin Farrell, „The New World“), den er einst auf die Erfolgsstraße führte, eröffnet Blake eine große Show. Tommy, der seinen Mentor und Förderer stets bewunderte, hat sich dennoch von ihm entfremdet und lehnt eine Kooperation für eine gemeinsame Platte ab. Bei der Fortsetzung seiner Tour kommt Blake schlaf- und betrunken von der Straße ab und erholt sich mit gebrochenem Knöchel bei Jean, deren Beziehung sich allmählich vertieft.

Aber ausgelassen wird eben nichts, weshalb Blake, der während eines Konzerts schon mal besoffen von der Bühne stürmt und sich in einen Mülleimer erbricht, auch Jeans Vertrauen enttäuscht. Am Tiefpunkt angelangt, wagt er mit Hilfe seines Freundes Wayne (Robert Duvall, „Open Range“) den fälligen Entzug und beginnt für Tommy Lieder zu schreiben. Den zu befürchtenden Sturz ins Melodramatische verhindern die Zurückhaltung von Coopers Inszenierung und Jeff Bridges brillante, zu Recht Oscar-prämierte Darstellung des Säufers in der Talsohle des Lebens.

Die Geschichte ist konventionell und überraschungsfrei, die Musik (das von T-Bone Burnett und Stephen Bruton geschriebene „The Weary Kind“ wurde als bester Song ebenfalls mit dem Oscar ausgezeichnet) mitreißend und von Bridges ebenso überzeugend mit eigener Stimme interpretiert. So sehr sich die mit lakonischem Humor gewürzte Entwicklung des Bad Blake auch schematischen wie moralisch simplen Erzählmustern beugen mag, so tiefschürfend und doch feinfühlig füllen Bridges und die Oscar-nominierte Gyllenhaal ihre Rollen mit Leben. Es sind vor allem die durch das zögerliche Spiel der Hauptdarsteller hervorgehobenen leisen Töne, die „Crazy Heart“ über seine Schwächen hinaus zum großartigen Charakterdrama machen.

Wertung: (7,5 / 10)

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