Company Men (USA 2010)

company-menEs wurde viel über sie gesprochen und noch mehr geschrieben, die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008 und deren Nachwirkungen. Mittlerweile wurden auch Filme darüber gemacht. Weniger über die Krise selbst, vielmehr über deren Entstehung, Wirkung und die Personen dahinter („Inside Job“). In erster Linie trifft es natürlich den kleinen Mann, doch auch im Top Management gibt es Verluste. Das zeigt „Company Men“ – das Kino-Regiedebüt von John Wells – anhand eines fiktiven börsennotierten Industrieunternehmens, welches u.a. durch die Krise in Bedrängnis kommt.

Urplötzlich bleibt für Bobby Walker (Ben Affleck) die Welt stehen. Sein Arbeitgeber – ein großer Schiffsbauer – hat in einer ersten Entlassungswelle bereits tausende Jobs gestrichen, im Rahmen einer zweiten Welle trifft es nun den seit mehr als 10 Jahren erfolgreich arbeitenden, leitenden Angestellten selbst. Der Vorstand ist angesichts dieser Entwicklungen uneins. Auf der einen Seite geht der Kahlschlag auf das Konto von CEO James Salinger (Craig T. Nelson), der diesen Kurs zugunsten der Shareholder und zum Schutz des Aktienkurses in Kauf nimmt, während sein Uralt-Freund und Vorstandskollege Gene McClary (Tommy Lee Jones) bemüht ist, den Laden halbwegs zusammenzuhalten. Doch selbst ihn trifft es, genauso eine Vielzahl weiterer Mitarbeiter, die alle auf ihre Art und Weise mit der neuen und ungewohnten Situation umgehen (müssen).

Es ist einfacher, über das Leid der kleinen Leute zu sprechen. Ungewohnt dagegen ist der Blick ein paar Stufen nach oben (u.a. vertreten von Maria Bello, „A History of Violence”). Gewiss fallen diese Leute etwas weicher, doch auch hier stehen Existenzen auf dem Spiel, vom psychischen Druck ganz zu schweigen. Vor allem die Figur von Chris Cooper („American Beauty“), der sich im Film vom einfachen Schweißer nach oben arbeitete, berührt, nicht nur weil er die College-Gebühren seiner Tochter nicht mehr stemmen kann. Hinzu kommt Schamgefühl. Die Nachbarn dürfen nichts wissen, also schickt ihn seine Frau jeden Morgen aufs Neue zum vermeintlichen Arbeitsplatz, der kurzerhand mit einer Theke getauscht wird. Ganz so hart trifft es den souverän aufspielenden Ben Affleck („The Town“) nicht, doch auch Haus und Porsche wollen bezahlt werden. Vor allem muss er lernen, das eigener Anspruch und Können in dieser veränderten Welt nicht mehr viel zählen. Die meisten treffen sich in einer Jobagentur wieder, von wo aus sie sich um einen neuen Job bemühen. Gelingen will das keinem von ihnen.

Es sind vor allem die kleinen Szenen, die „The Company Men“ zu einem großen Film machen. Die Hilfsbereitschaft von Afflecks Familie, seine stets zu ihm haltende Frau, der Sprung über seinen eigenen Schatten, um doch noch als Hilfsarbeiter bei seinem Schwager (großartig: Kevin Costner) auf dem Bau vorstellig zu werden. Oder der wild mit Steinen um sich schmeißende, verzweifelte Chris Cooper. Diese intensiven Szenen entschädigen für das etwas handzahme, doch noch positiv erscheinende Ende. Auch der Charakter des Craig T. Nelson („Action Jackson“) und dessen Beweggründe wirken ein wenig deplatziert, so real und üblich sie auch leider sein mögen. Denn der Film funktioniert als feinfühliges Drama ganz hervorragend. Auch deswegen, weil John Wells nahezu immer den richtigen Ton trifft und nicht ins weinerliche abdriftet.

Wertung: (8 / 10)

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