Comeback Kid – Outsider (2017, Nuclear Blast/New Damage Records)

Wer nicht mehr an die Entwicklungsmöglichkeiten des modernen Hardcores glaubt, der sollte einen genaueren Blick auf COMEBACK KID werfen. Die Kanadier gingen es zunächst brachial punkig an, wurden dann zunehmend wuchtiger und ließen schließlich vermehrt Einflüsse des Metal zu. Dass sie ihren Sound dabei zwar beständig veränderten, vom eigentümlichen Kern jedoch nie abrückten, macht sie zu einer der beliebtesten Genre-Konstanten. Die Reise ist damit allerdings längst nicht beendet: „Outsiders“, ihre mittlerweile sechste Studioscheibe, bündelt die Stärken der verschiedenen Schaffensphasen und vermengt sie zu einem explosiven Cocktail, der an Begeisterungsfähigkeit nur schwerlich zu übertreffen ist.

Dabei markiert die über Nuclear Blast herausgebrachte Platte die Abkehr von Victory Records. Dort hatten COMEBACK KID all ihre bisherigen Outputs veröffentlicht und hielten dem streitbaren Label als letzte alteingesessene Kapelle die Treue. Wer will kann der Band unterstellen, durch diesen Schritt neue Energien freigesetzt zu haben. Denn bei aller Klasse der jüngeren Langspieler, frischer klang der Fünfer seit seinem Referenzalbum „Wake the Dead“ (2005) nicht. Die Besonderheit liegt im eng verzahnten Zusammenspiel von metallischen Gitarren, punkigen Rhythmen und dem unverkennbaren Geschrei des stets sympathischen Andrew Neufeld. Mit ungezähmter Wucht, einer punktiert aufblitzenden rockigen Verspieltheit, die eher ins Stadion als auf die kleine Club-Bühne gehört (siehe „Consumed the Vision“ oder „Recover“), und fast schon unverschämt hymnisch in Ohr stürmenden Refrains wird der Hörer durch Hits in Serie förmlich überrannt.

Deren größter ist die Vorab-Auskopplung „Somewhere, Somehow“, die stellvertretend für die perfekte Balance zwischen Brachialität und Melodie steht. Das Salz in der Suppe von „Outsider“ bilden die teils abrupten Stil- und Tempowechsel, die etwa „Surrender Control“, „Hell Of a Scene“, „Blindspot“ oder „Moment in Time“ zu vielseitig mitreißenden Abrissbirnen stempeln. Ergänzt werden sie durch eher klassische Brecher wie das Titelstück, „Absolute“, „I’ll Be That“, „Outrage“, „Livid, I’m Prime“ oder „Throw the Stone“, das als konsequente Steigerung von „Wasted Arrows“ verstanden werden darf – und bei dem fraglich erscheint, wie Andrews Stimmbänder diesem heftigen Geplärre dauerhaft standhalten können. Kurzum: COMEBACK KID liefern ein furioses Prachtwerk mit rüdem Ohrwurmcharakter ab, dessen Durchschlagskraft im modernen Hardcore auf absehbare Zeit ihresgleichen suchen dürfte.

Wertung: (9 / 10)

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