Collateral (USA 2004)

collateralVor einigen Monaten galt Jamie Foxx noch als hoffnungsvoller Akteur aus der zweiten Reihe Hollywoods. Anfang 2005 jedoch ist er in die Liga der Top-Schauspieler aufgestiegen. Vorläufiger Höhepunkt ist die Oscar-Auszeichnung für seine bewegende Darstellung von Ray Charles. Doch auch als bester Nebendarsteller war Foxx nominiert, für seine im Grunde gar nicht so kleine Rolle als Taxifahrer in Michael Manns neuestem Großstadt-Thriller „Collateral”.

Foxx spielt in diesem relativ ruhigen und von seiner Grundstimmung deutlich an Manns begnadeten „Heat” erinnernden Film den Taxifahrer Max, der bereits seit vielen Jahren mit seinem pedantisch gepflegten Wagen durch die Straßen von Los Angeles fährt. Im Job routiniert, bringt er die nötige Distanz  zu den verschiedenen Typen mit, die ihm immer wieder begegnen. Eines Tages bringt er eine junge Anwältin (Jada Pinkett Smith) zur ihrem Zielort und durchbricht während der Fahrt das zu Beginn vorhandene Eis. Als Belohnung gibt es die Telefonnummer der Schönen. Im direkten Anschluss steigt jedoch der sich als Immobilienmakler vorstellende Vincent (Tom Cruise) ins Taxi und bittet Max, ihm in der gesamten Nacht zur Verfügung zu stehen.

An verschiedenen Orten plant Vincent den Abschluss von Geschäftsabschlüssen. Doch bereits an der ersten Station landet ein Mann auf Max’ Taxi und die wahre Identität von Vincent kommt zum Vorschein. Er ist ein Auftragskiller, der in dieser Nacht fünf verschiedene Menschen umbringen soll, die alle in einen Gerichtsprozess mit seinem Auftraggeber involviert sind. Vincent zwingt Max mit nachhaltigem Druck, seinen Job zu erfüllen und ihm in dieser Nacht ohne Zögern als Fahrer zur Verfügung zu stehen. Der Beginn eines zehrenden Nervenkriegs.

Bereits in „Heat“ zeigte Regisseur Michael Mann („Der letzte Mohikaner“, „Insider“) ein packendes Duell der beiden Schauspiel-Ikonen DeNiro und Pacino vor der düsteren und undurchdringlichen Fassade einer Großstadt. Auch in „Collateral“ ist die Stadt, in diesem Falle Los Angeles, ein zentraler Faktor und entwickelt nicht nur durch die Bebilderung und Darstellung eine beinahe bedrohliche und völlig sterile Atmosphäre. Hier ist es jedoch kein Katz-und-Maus-Spiel, wie es Mann vor Jahren dem Zuschauer zeigte, sondern eine Art Zweckgemeinschaft, die jedoch von Seiten des einen nur allzu gern gelöst werden würde.

Jamie Foxx spielt den Taxifahrer Max mit der nötigen Tiefe und erhält vor dem Auftauchen von Tom Cruise genügend Spielraum, seinen Charakter darzustellen und einzuführen. So rankt sich bei ihm letztlich alles um eine seit Jahren bestehende Geschäftsidee, die jedoch aus diversen Gründen bislang nicht realisiert wurde und er sich durch das Taxigeschäft nur die finanziellen Mittel beschaffen möchte. Bei den oberflächlichen Gesprächen mit seiner Kundschaft erntet er damit Glückwünsche, man merkt jedoch schnell in den bohrenden Konversationen mit Vincent alias Tom Cruise, dass dies doch mehr ein Wunschdenken ist und seine Lebensaufgabe doch im Taxibetrieb steckt. Superstar Cruise gibt den Auftragskiller, wie man es von ihm erwarten durfte, routiniert und engagiert, jedoch fehlt ihm einfach wie schon so häufig die letzte Ausstrahlung. Doch gibt er den ergrauten, unnahbaren und eiskalten Killer äußerst souverän und ist ohne Weiteres in der Lage, auch seine menschlichen Züge überzeugend darzustellen.

Michael Mann hält bis zum Finale einen konstanten Spannungsbogen und streut zwischen den Fahrten seiner beiden Protagonisten nur spärlich recht unspektakuläre, jedoch in diesem Rahmen nicht minder wirkungsvolle Action-Sequenzen ein. Ob nun eine Schießerei in einer Diskothek oder die Verfolgung zum Ende des Films, die Action passt sich seinem Rahmen an. Höhepunkte gibt es während dieser Filmnacht einige, so beispielsweise bei der zweiten Station von Cruise und Foxx in einer Jazz-Bar oder auch, wenn Foxx in die Rolle von Cruise schlüpfen soll, um bei seinen Auftraggebern Informationen über die nächsten Opfer einzuholen. Auf erzählerischer und darstellerischer Ebene weist der Film keine Schwächen auf, lediglich in einigen wenigen Punkten darf leichte Kritik geübt werden.

Der Showdown hätte in dieser Art nicht sein müssen, jedoch war im Grunde bereits früh klar, dass die Begegnung zwischen Jamie Foxx und Jada Pinkett Smith nicht die letzte war und sie in irgend einer Art und Weise noch in das Geschehen eingreift. Zudem sind einige der Nebencharaktere – in weiteren Rollen agieren Mark Ruffalo („In the Cut”) und Peter Berg („Cop Land”) – überflüssig und bringen den Film nicht unbedingt weiter. Doch ist „Collateral“ alles in allem ein mehr als guter Thriller, mit dem Michael Mann zwar nicht an seinen „Heat“ heran kommt, der jedoch dank einer für Hollywood-Verhältnisse schon fast unkonventionellen Inszenierung deutlich über dem steht, was in dieser Richtung sonst aus der Traumfabrik kommt.

Wertung: (7,5 / 10)

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