Colin – Der Weg des Zombie (GB 2008)

colinVom Mensch zum Monster ist es nur ein kleiner Schritt. Oder ein Biss, wie neben Vampiren vor allem Zombies veranschaulichen. Doch im Gegensatz zu den mystischen Blutsaugern eignen sich die untoten Fleischfresser vortrefflich als allegorische Sinnbilder auf Verrohung und Moralverlust. Als solches funktioniert auch Colin, der, einen Hammer in der Hand, nach Hause kommt und katatonisch Blut von seinen Händen wäscht. Kurz nachdem er eine Bisswunde am Unterarm in Augenschein genommen hat, wird er von einer rasenden Kreatur attackiert. Der Auftakt zu einer ungewöhnlichen urbanen Odyssee.

Gerade einmal 45 britische Pfund soll „Colin“ gekostet haben. Die Komparsen arbeiteten umsonst, das Make Up wurde aus Resten gefertigt und die Effekte in Heimarbeit hergestellt. An öffentlichen Plätzen wurde ohne Genehmigung und in den frühen Morgenstunden gedreht. Mit viel Organisations- und Improvisationsgeschick läutet der Underground-Filmer Marc Price den zivilisatorischen Niedergang ein. Dem von ihm inszenierten, geschriebenen, produzierten, fotografierten und auch geschnittenen No Budget-Schocker haftet damit der Ruf eines Guerillafilms an.

Zwar kann Colin den Angreifer mit einem Küchenmesser niederstrecken – der rohe Realismus lässt die Klinge am Schädel einfach abprallen –, verwandelt sich aber bald selbst in einen Zombie. Hilflos scharrt er an der Tür und stürzt im unkoordinierten Taumel irgendwann aus dem Fenster. Fortan begleitet ihn die hektische Handkamera auf Irrwegen und bei der Futtersuche. Hauptdarsteller Alastair Kirton, der schon in „Woods of Terror“ einen Zombie mimte, wird Teil des triebgesteuerten Kollektives menschenfressender Wiedergänger. Das moralische Dilemma eines verblassenden Bewusstseins, wie es „I, Zombie“ schilderte, lässt er damit rasch hinter sich.

Der fortschreitende soziale Verfall zeichnet sich weitgehend durch Hintergrundgeräusche ab. Das Heulen von Alarmsirenen, das Peitschen von Schüssen, das Gellen von Schmerzensschreien. Price erzählt seine originelle Splatter-Ballade fast ohne Worte und offenbart, wie so viele vor ihm, im verzweifelten Kampf der Überlebenden den schmalen Grat zwischen Mensch und Bestie. Über verschiedene Stationen und Protagonisten, darunter seine Schwester, irrt Colin umher, bis er schließlich, das Gesicht in Fransen, der Schädel eingeschlagen, ein ihm bekanntes Haus erreicht. Mit der tragischen Vorgeschichte schließt sich der Kreis dieses Einzelschicksals im Brennpunkt. Ein schroffes, unbedingt sehenswertes Horror-Drama.

Wertung: (7,5 / 10)

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