Cold Comes the Night (USA 2013)

cold-comes-the-nightFrüher galten Filmschauspieler als abgeschrieben, wenn sie in TV-Serien mitwirkten. Aus heutiger Sicht wirkt das wie finsteres Mittelalter. Angesichts der immensen Qualität im US-(Bezahl-)Fernsehen ist es für viele Darsteller mittlerweile ein Privileg, in von Kritik und Publikum gefeierten Reihen aufzutreten. Man erinnere sich nur an den Klassiker „The Shield“, der in späteren Staffeln Stars wie Glenn Close und Forest Whitaker auffuhr. Nicht selten nutzen erfolgreiche Serienmimen die Mattscheibe als Sprungbrett für die große Leinwand. Ein treffliches Beispiel ist Bryan Cranston, der bereits während seiner Hauptrolle in „Breaking Bad“ kleinere Rollen in Kinoproduktionen (u.a. „Drive“ und „Argo“) absolvierte.

Seit dem Ende des serialen Kult-Dramas ist Cranston häufiger in Filmen zu sehen. Wie beim jüngsten „Godzilla“-Auftritt weiterhin meist in Nebenrollen. Den tragenden Part übernahm er hingegen im bereits 2013 gedrehten Thriller „Cold Comes the Night“. Der unterkühlte Plot zeigt ihn als wortkargen russischen Gangster Topo. Während einer Botenfahrt mit seinem Neffen landet er bei der alleinerziehenden Chloe (Alice Eve, „The Raven“), die im amerikanischen Nirgendwo ein heruntergekommenes Motel betreibt. Weil das Jugendamt dies Umfeld nicht als behüteten Hort für ihr Kind ansieht, muss sie dringend umziehen. Doch es fehlt an Geld. Aber wie so häufig ergibt sich aus der aufziehenden Verzweiflung eine Gelegenheit.

Denn nachdem Topos Begleiter von einer Prostituierten getötet und das Gefährt samt darin versteckter Geldlieferung von der Polizei abgeschleppt wurde, erfolgt Chloes mit vorgehaltener Waffe erzwungene Kooperation. Sie jedoch besteht auf eine Entlohnung und leistet den Forderungen Folge, um ihre Tochter zu schützen. Doch das Paket befindet sich nicht mehr im Auto und da der an Chloe interessierte Polizist Billy (Logan Marshall-Green, „Prometheus – Dunkle Zeichen“) plötzlich mit neuem Großbildfernseher auftaucht, scheint der Sachverhalt klar. Dabei muss Chloe bald mit Schrecken feststellen, dass Topo für die Wiederbeschaffung des Vermögens keine moralischen Grenzen kennt.

Der von Tze Chun („Children of Invention“) ko-erdachte und gedrehte Reißer ist klein, dreckig und gemein. Die überzeugenden Darsteller üben sich in Zurückhaltung, wobei Cranston mit russischem Akzent fast zu sparsam mit seinen mimischen Fertigkeiten umgeht. Ein herausragendes Werk resultiert aus der bekannt wirkenden und nicht zwingend überraschend präsentierten Verbrecherverstrickung mit variablem Gut-Böse-Schema kaum. Doch der schnörkellose, in seiner wohligen Fokussierung an „Ca$h“ erinnernde Film hält mit unterschwelliger Spannung und dosierter Gewaltentladung bei der Stange. Das genügt leichter Hand für eine überdurchschnittliche Verleihpremiere, der Zugpferd Cranston mühelos die nötige Aufmerksamkeit beschert. Die abgründigen Charaktere scheinen den 59-jährigen jedenfalls nicht loszulassen.

Wertung: (6 / 10)

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