Cold Blood (USA 2012)

coldbloodImmer wieder zieht sich der Thriller ins verschneite Hinterland zurück, fast so, als wollten seine Urheber bereits im Setting unmissverständlich auf jene emotionale Unterkühlung verweisen, die Figuren und ihre Handlungen begleitet. In „Cold Blood“ (Originaltitel: „Deadfall“), gedreht vom Österreichischen Regisseur Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“), ist das nicht anders. Allerdings muss sich sein namhaft besetzter Winter-Krimi an grandiosen Vorreitern wie „Ein einfacher Plan“ und insbesondere „Fargo“ messen lassen. Eine Hypothek, der allen voran das Skript zu keiner Zeit gerecht werden kann.

Natürlich ist das kein Muss. Nicht jedem Film kann die Brillanz der Gebrüder Coen innewohnen. Bedauerlicherweise. Aber Ruzowitzkys Familiengeschichte der etwas anderen Art verliert sich nach reizvollem Vorlauf in halbgar abgehandelten Konfliktschilderungen mit zunehmend dürftigen Dialogen. Warum die Darstellerriege bei diesem Projekt mitgewirkt hat, bleibt trotzdem stets erkennbar. Denn Potenzial ist ausreichend gegeben. Nur bleibt es häufig ungenutzt. Eric Bana („Chopper“) beispielsweise spielt endlich mal wieder eine ambivalente Rolle. Nur driftet er mit aufgesetzt leerem Blick und kurioser Moralvorstellung momentweise in die Overacting-Sphären eines Nicholas Cage ab.

Bana spielt den kaltblütigen Verbrecher Addison. Der hat mit Komplizen, darunter seine Schwester Liza (Olivia Wilde, „TRON: Legacy“), ein Casino ausgeraubt. Auf dem Weg nach Kanada läuft ihnen auf schneeverwehter Straße ein Reh vors Auto. Als kurz darauf ein Polizist auftaucht, um den Verunfallten beizustehen, jagt ihm Addison eine Kugel ins Hirn. Zu Fuß flüchten er und Liza durch die bitterkalte Wildnis und trennen sich schließlich. Während Addison weiter Blut vergießt, gerät sie an den frisch aus dem Knast entlassenen Ex-Boxer Jay („Sons of Anarchy“-Star Charlie Hunnam), der sich auf dem Weg zu den Eltern – gespielt von Kris Kristofferson („Blade“) und Sissy Spacek („In the Bedroom“) – befindet und eigentlich untertauchen will.

Da sich Jays Elternhaus unweit der Grenze befindet ist glasklar, wo die finale Zusammenführung der zerrütteten Familien stattfindet. Aber warum eigentlich zerrüttet? Bei Addison und Liza, die ein seltsames Abhängigkeitsverhältnis pflegen, scheint der Sachverhalt klar. Bei Jay und seinem knurrigen Vater sind die gegenseitigen Gefühle den Witterungen angepasst. Denn letzterer war früher Polizist und ist daher naturgemäß mit dem Werdegang des Sprösslings unzufrieden. Damit nicht genug, strebt auch in Reihen der örtlichen Polizei Unausgesprochenes an die Oberfläche. Denn Chef-Cop Becker (Treat Williams, „Everwood“) traut Tochter Hanna (Kate Mara, „127 Hours“) den Streifendienst nicht zu.

Die meisten der genannten Darsteller bleiben unterfordert oder lösen sich final in zu vielen Rollenklischees auf. Statt die Charaktere auszuarbeiten, serviert Ruzowitzky handelsübliche Momente mit Spannung und Gewalt. Sie alle kreisen um Addison, der einen Finger verliert, eine misshandelte Familie vom tyrannischen Hausherren befreit und sich eine wilde Verfolgungsjagd mit Hanna auf Schneemobilen liefert. Hunnam und Wilde sind für den romantischen Beitrag zuständig. Aber es knirscht mehr, als das es knistern würde. Was man dem recht eilig abgehandelten Film aber zugutehalten muss, ist der auf die absehbare Eskalation folgende abrupte Ausklang, der das weitere Schicksal der Protagonisten gänzlich unklar belässt. So ist „Cold Blood“ insgesamt kein schlechter Film. Nur eben einer mit zu vielen Schwächen.

Wertung: (5 / 10)

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