Codename U.N.C.L.E. (USA 2015)

codename-uncleNapoleon Solo ist zurück. Zwischen 1964 und 1968 war der smarte Geheimagent (in Gestalt von Robert Vaughn) über 104 Episoden im Dienste der Weltenrettung unterwegs. „Solo für O.N.C.E.L.“ gilt als TV-Klassiker, hat mittlerweile aber so viel Staub angesetzt, dass jüngere Semester Held und Serie kaum mehr kennen dürften. Da in Hollywood aber kein Stoff jemals so viel Patina angesetzt haben kann, dass sich daraus nicht noch ein modern aufgemotzter Blockbuster stricken ließe, erhält auch besagter Solo die Gelegenheit, Teil der (anachronistischen) Gegenwartskultur zu werden. Regie führte Guy Ritchie, der mit seinen „Sherlock Holmes“-Abenteuern hinlänglich bewies, wie retrospektives Setting und zeitgenössische Inszenierungskniffe funktional ineinander greifen können.

Allerdings krankt „Codename U.N.C.L.E.“ an denselben Schwächen wie besagte Holmes-Reboots: Der Stil dominiert den Inhalt, die Story hat bestenfalls Alibicharakter und der Humor wirkt streckenweise arg gewollt. Das kann dem Vergnügen entgegenstehen, muss es aber nicht zwangsläufig. Denn Ritchie erhebt Kurzweil erneut zur Maxime und hetzt sympathische Darsteller durch eine actionreiche Posse, die aus ihrer Flachheit zu keiner Zeit einen Hehl macht. Als Napoleon Solo lässt der aktuelle Kino-Superman Henry Cavill seinen Charme spielen. Zu Beginn der 60er Jahre, auf dem Siedepunkt des Kalten Krieges, soll der Ex-Dieb in Diensten der CIA in Ost-Berlin Autoschrauberin Gaby (Alicia Vikander, „Ex-Machina“) ausfindig machen. An seine Fersen heftet sich Sowjet-Elitespion Illya Kuriyakin (Armie Hammer, „Lone Ranger“), was zu waghalsigen Verfolgungsjagden mit stimmigem Zeitkolorit führt.

Ein wenig wundern dürfen sich die beiden Kontrahenten trotzdem, schließen die Großmächte doch einen Pakt, um in Kooperation eine weit größere Gefahr zu neutralisieren. Ein geheimes Verbrechersyndikat ist im Begriff, mit Hilfe von Gabys Vater, dem Wissenschaftler Udo Teller (Christian Berkel, „Trumbo“), eine Atomwaffe zu schaffen. Die Spur führt zu Gabys Onkel Rudi (Sylvester Groth, „Inglourious Basterds“), der mit dem snobistischen Paar Victoria (Elizabeth Debicki, „Macbeth“) und Alexander Vinciguerra (Luca Calvani, „The International“) in die Sache verstrickt zu sein scheint. Während sich Illya und Gaby als Eheleute ausgeben und echtes Interesse aneinander finden, begibt sich Solo auf Tuchfühlung mit Victoria. Das führt in Summe zu visuell hübsch gestylter Coolness samt rasanter Schnitte und Split-Screens, kann den Mangel an Eigenständigkeit aber nicht durchweg entkräften.

Die dosierte Action hat Wumms und Ironie, in deren Wirren Napoleon Solo auch mal genüsslich ein Brot verspeist, während sich Partner Illya im Hintergrund mit Verbrecherschergen herumschlagen muss. Das durchaus spielfreudige Ensemble wird neben Jared Harris („Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“) von Komödien-Spezi Hugh Grant („About a Boy“) ergänzt, der sich am Rande als Solos Boss Waverly zu erkennen geben darf. Gesehen hat man das alles schon häufiger, wer sich den Spaß durch überschaubare Originalität aber nicht vermiesen lässt, erlebt eine aufwändig gestaltete und in weiten Teilen amüsante Agenten-Sause. Ob es für eine Fortsetzung reicht, bleibt angesichts des mageren Erfolgs an den Kinokassen allerdings fraglich.

Wertung: (6,5 / 10)

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