Close Your Eyes – Line in the Sand (2013, Victory Records)

closeyoureyeslineinthesandAn der Schnittstelle von Emo-Core und Screamo schienen in der jüngeren Vergangenheit nur wenige Bands zum Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand imstande. Vor allem diese breite Gleichförmigkeit brachte die absehbare Übersättigung. Zu spüren bekam man das auch bei Victory Records, wo in der Genre-Drangphase artverwandte Bands wie Pilze aus dem Boden schossen. Gesteigerte Wandlungsfähigkeit stellten jedoch CLOSE YOUR EYES unter Beweis, was nicht wenige Hörer auch außerhalb des jugendlichen Zielgruppenzentralsprektums positiv überraschte.

Die bekennenden Christen begehen ihr Victory-Drittwerk „Line in the Sand“ einmal mehr mit ansteckender Spielfreude und stattlichem Eingängigkeitsfaktor. Die Attitüde ist positiv gestimmt und die stilistische Einflussbreite reicht von klassischen Nackenbrechern mit melodiebewusster Klargesangabrundung („Burdened By Hope“) über Ausflüge gen Pop-Punk („Kings of John Payne“) bis hin zu stadiontauglichem Rock („Frame and Glass“). Das ist erst mal wenig revolutionär, dafür aber hübsch abwechslungsreich, zumal die Einflüsse von den üblichen Verdächtigen (SILVERSTEIN, A DAY TO REMEMBER) bis hin zu NEW FOUND GLORY und COMEBACK KID (siehe „Days of Youth“, „No Borders!“) reichen.

Am Ende sind es die Kleinigkeiten, die „Line in the Sand“ deutlich über den Durchschnitt heben. Etwa das kurz ins Mikro gebleckte „Bäh“, bevor das von Tommy Green unterstützte und nach seiner eigenen Band benannte „Sleeping Giant“ klassischen Hardcore streift. Oder „The End“, das als Gastsänger mal eben IGNITE-Frontmann Zoli Téglás aus dem Ärmel schüttelt. Bei solch emsigem Galopp durch Genres und Spielarten ist letztlich auch verzeihlich, dass CLOSE YOUR EYES mit der religiösen Ader bei „Glory“ kurz vor Ende doch noch hausieren gehen. Aber selbst das bigotte Halleluja Richtung (theoretischem) Schöpfer kann den insgesamt überaus positiven Gesamteindruck nicht entkräften.

Wertung: (7 / 10)

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