Cloaca (NL 2003)

cloacaMänner am Rande des Nervenzusammenbruchs, in der Midlife-Crisis, der Sinnkrise. Nach einem Kollaps und dem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik versucht Anwalt Tom (Peter Blok) wieder auf die Beine zu kommen. Der ehrgeizige Ministeriumsanwärter Joep (Gijs Scholten van Aschat) hat nach einem Streit mit der Frau kurzerhand die Koffer gepackt. Vorerst unter kommen beide bei Pieter (Pierre Bokma), einem homosexuellen städtischen Sachbearbeiter, dem der Chef wegen der Unterschlagung wertvoller Gemälde auf die Pelle rückt. Und dann ist da noch der provozierende Theaterregisseur Maarten (Jaap Spijkers), der ein Verhältnis zu einer jungen Schauspielerin unterhält, zu allem Überfluss Joeps Tochter.

Der Ursprung von Willem van de Sande Bakhuyzens („Leef“) geistreicher Tragikomödie „Cloaca“ liegt auf der Bühne. Der Film lässt sich das nur zu gern anmerken, was auch an Maria Goos’ Adaption ihres eigenen Stückes liegen mag. Mehr noch als das Drehbuch aber ist es die Inszenierung, bei aller Zurückhaltung geprägt von visuellem Einfallsreichtum, die den glänzenden Schauspielern den Raum für die Ausgestaltung ihrer Figuren bietet. Die Natürlichkeit ihres Auftretens garantiert eine unverfälschte Authentizität, über die unvermittelt eine Brücke der Nachvollziehbarkeit geschlagen wird. Fast scheint es, als beobachte der Zuschauer echte Menschen mit echten Problemen und echten Schwächen.

Der Ton des wortreichen, von geschliffenen Dialogen beherrschten Dramas ist nüchtern. So groß die Wirkung des Spiels auch ist, van de Sande Bakhuyzen kanalisiert sie nie in Richtung einer bloßen Ausstellung von Gefühlen und Befindlichkeiten. Die Männer hadern mit dem Schicksal, der Vergänglichkeit des Materiellen, der Jugend sowie der Bedeutungslosigkeit des Seins. Der darin eingebettete Humor trägt teils absurde Züge, verbleibt aber auf einer subtilen Ebene, die zumeist die leise Bitterkeit der lebensphilosophischen Reflexion unterstreicht. Denn mit wachsender Reibungsfläche zerreißen die Bande zwischen den alten Freunden mehr und mehr.

Zwischen David Rabe und Robert Lepage, „Hurlyburly“ und „Die andere Seite des Mondes“ sinniert „Cloaca“ über die Männlichkeit, verpflichtende Loyalität und die Konsequenz des Vertrauensbruchs. Mit Abscheu blickt das, was war auf das, was daraus wurde. Am Ende ist nichts mehr so wie zuvor. Im Augenblick der finalen Tragik blendet der Film aus. Bis an den Rand des Abgrunds wurden die Protagonisten begleitet. Den Sprung ins Ungewisse jedoch müssen sie allein vollziehen. Epix veröffentlicht dies großartige Werk einzig im niederländischen Originalton mit deutschen Untertiteln. Für Cineasten sollte das wahrlich kein Hindernis darstellen.

Wertung: (8,5 / 10)

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