Christine (USA 1983)

christineDas Auto als des Mannes liebstes Kind ist zugleich Statussymbol und Prestigeobjekt. Mit „Christine“ hat Stephen King der bisweilen innigen Beziehung zwischen Fahrzeug und Eigner einen Roman gewidmet, der mit Hochspannung und brutalem Sarkasmus die Obsession eines sozialen Außenseiters zu seinem beseelten Gefährt beschreibt. Kult-Regisseur John Carpenter, der mit „Halloween“ und „The Fog“ Kinogeschichte geschrieben hatte, besorgte die dazu gehörige Filmversion. Die jedoch entpuppt sich als oberflächliche Schauermär ohne echte Tiefe.

Arnie Cunningham (nuanciert: Keith Gordon, „Der weiße Hai 2“) ist ein Nerd wie aus dem Bilderbuch. Von seinen konservativen Eltern zum kümmerlichen Duckmäuser erzogen, gehört das Traktat durch Mitschüler zum Alltag. Besonders Jim Morrison-Lookalike Buddy hat es auf ihn abgesehen. All das ändert sich mit Arnies erster großer Liebe Christine, einem feuerroten 59er Plymouth Fury, von dem Carpenter 24 Karossen restaurieren ließ, um sie später fast alle für den Film zu verschrotten.

Ganz anders als der vernarrte Autobesitzer ist Dennis (John Stockwell, „Top Gun“), sein bester – und einziger – Freund. Er ist Footballer, Mädchenschwarm (becirct wird u. a. Kelly Preston, „Twins – Zwillinge“) und in der schulischen Hackordnung eher am oberen Ende ansässig. Vielleicht überrascht ihn Arnies Veränderung deshalb so sehr. Die Restaurierung Christines schenkt ihm erst Selbstvertrauen und filtert schließlich seine dunklen Seiten heraus. Als die steigende Eifer- und Rachsucht des selbständig fahrenden Autos erste Opfer fordert, geraten auch der misstrauische Dennis und Arnies Freundin, die begehrte Schulschönheit Leigh („Baywatch“-Beiwerk Alexandra Paul) in Gefahr.

Im Buch verwandelt sich Arnie mehr und mehr zum Abbild von Christines Vorbesitzer, was Carpenter, der das Drehbuch schrieb, noch bevor Kings Roman überhaupt veröffentlicht war, komplett ausspart. Er reduziert die Vorlage auf ein tricktechnisch aufwändiges Spektakel, dass wesentliche Handlungsteile im Schnelldurchlauf abarbeitet. Als in den mysteriösen Todesfällen ermittelnder Polizist wird noch Harry Dean Stanton („Blue Velvet“) verschlissen. So verhält es sich mit der passablen Filmfassung eines viel besseren Buches wie mit Christine selbst – schick an der Oberfläche, seelenlos darunter.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • The Protector (HK/USA 1985)

    „I never go anywhere in Southeast Asia without an Uzi.“ – Um markige Sprüche und Feuerkraft nicht verlegen: Garoni Gibt es was herrlich bekloppteres als 80`s Actionfilme? Dort durften Helden noch Helden sein und den Bösen dieser rasant realitätsfremden Welt ohne moralische Bedenken faustgroße Löcher in die Körper pusten. Und was für krause Gestalten sich…

  • Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen (USA 2005)

    „Satan is real.” Der von den Briten kontrollierte Teil Ostafrikas offenbart nach Ende des zweiten Weltkriegs eine byzantinische Kirche in seinem Erdreich. Der Fund lockt den vom Glauben abgefallenen Priester Lankester Merrin (Stellan Skarsgård, „King Arthur“) an die Ausgrabungsstätte. Unterhalb der Tempelanlage entdeckt er eine verborgene Kammer, die von satanischen Ritualen und unheilvollem Glauben kündet….

  • Tarantula (USA 1955)

    Jack Arnold ist der König der B-Pictures. In den Fünfziger Jahren revolutionierte er das Science-Fiction-Genre mit unvergessenen Klassikern wie „Gefahr aus dem Weltall“ (1953), „Der Schrecken vom Amazonas“ (1954) oder „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C.“ (1957). Seine Filme sind trotz einer gesunden Einfalt von bestechender Güte – und haben bis zum heutigen Tag nichts…

  • Manderlay (DK/S/F/D/NL/USA 2005)

    In „Manderlay“ reduziert Lars von Trier das Kino erneut auf Skizzen. Umrisse von Häusern sind auf den Boden des Bühnenareals gezeichnet, spärliche Requisiten gestalten die Interieurs. Es gibt einen stählernen Zaun, eine Treppe nebst Balkon und einen Esel. Den Rest muss sich der Zuschauer denken. Sogar fließendes Wasser. Teil zwei seiner Trilogie über die Doppelmoral…

  • Tal der Wölfe – Irak (TR 2006)

    Zwei Fakten genügen als Hintergrund eines pseudo-politischen Films. Der eine ist die erniedrigende, von willkürlicher Ehrverletzung geprägte Abführung einer türkischen Spezialeinheit im Nordirak durch amerikanische Soldaten. Die andere ist das Foltergefängnis von Abu Ghraib. Um diese beiden Tatsachen bastelt der türkische Regisseur Serdar Akar den nahezu grotesken Kriegsactionfilm „Tal der Wölfe – Irak“, der in…

  • Tortured (USA/CDN 2008)

    Wer war noch mal Keyzer Soze? Der manipulative Strippenzieher, dies quasi-gesichtslose kriminelle Meisterhirn, findet in Ziggy einen Nachfolger. Wenn auch keinen legitimen. Beide sind Phantome, Dirigenten des Verbrechens, die ihr grausames Regime inkognito führen. Kaum jemand hat sie je zu Gesicht bekommen, zur Ausführung der Geschäfte wird ein eng verzweigtes Personengeflecht herangezogen, in dem jeder…