Choke – Der Simulant (USA 2008)

choke-der-simulantChuck Palahniuk lässt Manierismen lebendig werden. Seine Figuren sind kaputte Außenseiter, die im festgefahrenen Dasein eines depressiven Alltagstrotts zu Höherem berufen werden. Oder es zumindest glauben. Nach „Fight Club“, basierend auf seinem 1996 veröffentlichten Debütroman, ist „Choke – Der Simulant“ die zweite Verfilmung aus dem eigenwilligen Fundus des amerikanischen Schriftstellers. Die Parallelen in Figurenzeichnung, Erzählweise und politischer Unkorrektheit sind nicht von der Hand zu weisen. Doch der anarchischen Radikalität des Erstlings kann das amüsante Folgewerk nicht das Wasser reichen.

Als Ich-Erzähler führt Victor Mancini (Sam Rockwell, „Confessions of Dangerous Mind“) durch (s)eine Geschichte, die sich über Sexsucht, Gründerzeit-Themenpark und die Suche nach den eigenen Wurzeln zum skurrilen Befindlichkeits-Potpourri auswächst. Auch therapeutische Gesprächsrunden spielen wieder eine Rolle. Nur nutzt Victor den nymphomanen Behandlungszirkel zur regelmäßigen Begattung einer ihm als Betreuer zugewiesenen „Leidens“-Genossin. Denn in der Sinnesexplosion während des Orgasmus findet er, wenn auch nur für Sekunden, einen Ausweg.

Beladen wird sein ohnehin stramm geschnürtes Problempaket durch den dementen Dämmerzustand von Mutter Ida (Anjelica Huston, „Darjeeling Limited“), die Victor längst nicht mehr erkennt. Der Job als Kolonialzeit-Darsteller in einem historischen Freizeitpark wirft aber nicht genug Geld ab, um ihren Platz im privaten Pflegeheim zu finanzieren. Also täuscht er in Restaurants Erstickungsanfälle vor und weckt in seinen Rettern Schutzbedürfnisse, die sich auch in finanzieller Zuwendung ausdrücken. Doch dann macht Ida Andeutungen, die ihn bewegen die eigene Herkunft zu hinterfragen.

Mit Hilfe der Ärztin Paige (Kelly Macdonald, „Gosford Park“), die für ihn ein in Italienisch verfasstes Tagebuch übersetzt, begibt sich Victor auf die Suche nach seiner Herkunft. Das Ergebnis ist verblüffend: Er soll aus Christus Vorhaut geklont worden sein und hadert nach dem ersten Schock verständlicherweise mit seiner Rolle unter den Menschen. Dass am Ende doch wieder alles anders kommt im tragikomischen Regiedebüt des auch selbst mitwirkenden Schauspielers Clark Gregg („Iron Man“), liegt auf der Hand. Die gut gespielte Low Budget-Produktion lässt zwar narrative Stringenz und inszenatorische Eigenständigkeit vermissen, unterhält als Kontrastprogramm zu Hollywoods Hochglanz-Einerlei aber prächtig.

Wertung: (7 / 10)

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