Children of Men (USA/GB/J 2006)

children-of-menMit dem dritten Teil der „Harry Potter“-Reihe sorgte Regisseur Alfonso Cuarón noch für kindgerechte Unterhaltung, mit seiner düsteren Zukunftsmär „Children of Men“ schlägt er gleich andere Töne an. Eine packende Zukunftsvision hat es schon länger nicht mehr gegeben, die Zeiten sind für Hollywood spürbar vorbei, in denen vor den Gefahren der Zukunft gewarnt wurde. Die Realität deprimiert eben schon genug. Dass es aber auch heutzutage noch funktioniert, zu schocken, zu warnen oder einfach mögliche Gefahren aufzuzeigen, dies beweist Cuarón mit einem mal wieder alles überzeugenden Clive Owen („Hautnah“, „Sin City“).

Wir schreiben das Jahr 2027, ganze Städte und Länder sind durch Terrorakte und Aufstände im Chaos versunken. Auch England blieb nicht verschont, Grund genug für die Regierung, alle Einwanderer öffentlich in Käfigen zu präsentieren bzw. in eigenen Städten zusammenzupferchen und hermetisch abzuriegeln. Inmitten der Gewalt steht Theo (Clive Owen), der seine revolutionäre Zeit hinter sich gelassen hat. Plötzlich jedoch nimmt seine Ex-Freundin Julian (Julianne Moore) – Anführerin einer Widerstandsgruppe – Kontakt zu ihm auf. Er soll eine junge Schwarze namens Kee (Clare-Hope Ashitey) aus London in sicheres Gebiet führen. Den Grund dafür erfährt Theo erst später. Kee erwartet ein Kind, es wäre das erste nach 10 Jahren für die Menschheit überhaupt.

Wie weit ist diese Welt von der Realität entfernt? Eine berechtigte Frage, die sich bereits nach wenigen Minuten stellt, nachdem Clive Owen nur knapp einem Bombenanschlag auf ein Café entgehen kann. Seine Umwelt wirkt trist, gewalttätig und verloren, in Teilen der heutigen Welt sieht es nicht anders aus. Eine Stärke von „Children of Men“ ist es, genau dies ins Bewusstsein des Zuschauers zu rufen. Alfonso Cuarón zeigt mit seinem Kameramann Emmanuel Lubezki teilweise drastische Bilder, die überfallartig über den Zuschauer hereinbrechen. Dies kann sich in Form des erwähnten Anschlags widerspiegeln, oder aber gen Ende, wenn alles niedergeschossen wird, ob Freund oder Feind. Die Bilder des Films sind meist grau gehalten, trist und kalt.

Warum Kinderlosigkeit vorherrscht, bleibt offen. Zwar gibt es immer wieder Theorien, jeder hat seine eigene Meinung, eine Erklärung liefert Cuarón jedoch nicht. Dies hätte dem Film vielleicht nicht geschadet, ebenso lässt sich der politische wie gesellschaftliche Zustand häufig nur anhand weniger Informationen ableiten. Doch einzelne kleinere Schwächen vermag die Darstellerriege gekonnt auszubügeln, vor allem Clive Owen überzeugt in seiner gewohnt distanziert anmutenden Art als desillusionierter Mann inmitten des Chaos. Julianne Moore („Magnolia“) hat erstaunlich wenig Raum, kann diesen auch nicht immer nutzen und bleibt erstaunlich blass neben Owen. Überzeugend dagegen ist Altrecke Michael Caine („Gottes Werk und Teufels Beitrag“), der als abgeschieden lebender Mann für eine beinahe vergessene Zeit steht. In weiteren Rollen agieren Chiwetel Ejiofor („Inside Man”), Danny Huston („Aviator”), Charlie Hunnam („Unterwegs nach Cold Mountain”) und Peter Mullan („Braveheart”).

Im Film verschwimmen Gut und Böse häufig, wer genau wann womit angefangen hat, bleibt offen. Im Endeffekt handelt jede Gruppierung nach eigenem Ermessen und ist lediglich auf den eigenen Vorteil erpicht. Auch dies ist in der Gegenwart nicht anders. Gen Ende – wenn die unterschiedlichen Gruppen sich gegenseitig offen bekriegen – nimmt Cuarón seinem Film ein wenig den Reiz und setzt im Gegensatz zu vorher mehr auf direkte Action. Diese ist nicht immer zimperlich, dafür jedoch umso packender inszeniert. „Children of Men“ ist eine – bis auf wenige Momente – bittere Zukunftsvision, über die es sich sicherlich nachzudenken lohnt, deren Bilder aber auch so nachwirken werden. Für Hollywood ist gerade das derzeit nicht allzu typisch.

Wertung: (8 / 10)

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