Che: Revolución (USA/F/E 2008)

che-revolucionErnesto „Che“ Guevara ist eine Ikone des Widerstands, ein Sinnbild der Revolution. Der Versuchung einer solch verklärenden Simplifizierung wollte Steven Soderbergh widerstehen, als er das Leben des Freiheitskämpfers auszugsweise in zwei Spielfilmen über viereinhalb Stunden auf die Leinwand brachte. In Benicio Del Toro, der für die Mitwirkung in Soderberghs „Traffic“ einen Oscar erhielt, fand der Regisseur die optimale Besetzung. Auch gelang es ihm, wie so oft in seiner Karriere, mit gängigen erzählerischen Mitteln Hollywoods zu brechen. Woran es seinem langatmigen Portrait allerdings fehlt, ist eine neue Perspektive.

„Jeder kennt sein Gesicht. Kaum jemand seine Geschichte.“ So sehr diese Unterzeile des Kinoplakats die Wahrheit auch abbilden mag, so plakativ rühmt sie sich für etwas, das der Film nicht bieten will. Die Vorgeschichte des argentinischen Arztes, seine Reisen durch Lateinamerika, wurde bereits in „The Motorcycle Diaries – Die Reisen des jungen Che“ behandelt. Die behütete Kindheit, die familiären Hintergründe, mehr noch die Motive für das gesteigerte politische Interesse bleiben ausgespart. Und mit ihnen die Mechanismen der sogenannten Biopics.

„Che: Revolución“ verschließt sich der Formel der Unterhaltung. Da ist kein Melodram, keine in klar strukturierte Kapitel unterteilte Abarbeitung an der Historie eines berühmten Lebens. Das Skript basiert auf den Tagebuchaufzeichnungen des Revolutionärs und liefert die Vorlage für eine Beschreibung des Alltags im Untergrund. Vorinformationen werden dem Zuschauer abverlangt, einleitend, wie in einem Lehrfilm, lediglich die geographische Beschaffenheit Kubas vorgeführt. Danach springt der Film in den Zeiten, zwischen mühselig voranschreitendem Partisanenkrieg und in schwarz-weiß gehaltenen Szenen, die den Umstürzler 1964 bei seiner Rede vor den Vereinten Nationen in New York zeigen.

1956 begeben sich Guevara und Fidel Castro (Demián Bichir, „Weeds“) mit einem Rebellentrupp nach Kuba und stürzen binnen zweier Jahre das Batista-Regime. Als rastloser und klug taktierender Kämpfer steigt der Mediziner rasch zum Anführer auf. Del Toros zurückhaltende Darstellung der aufrührerischen Lichtgestalt wahrt eine fast apathische Distanz, die ihn nie ins Zentrum streben lässt. Auch Soderbergh hält ausreichend Abstand, um nicht der Blendung des Mythos zu verfallen. Eine Entzauberung gelingt ihm ungeachtet der dokumentarischen Nüchternheit und unspektakulär ruppiger Szenenausschnitte jedoch nicht. Es fehlt an Eindeutigkeit, vielleicht sogar an Mut, aus Che mehr (oder auch weniger) zu machen als einen besonnenen bärtigen Dschungelkämpfer.

Wertung: (6 / 10)

scroll to top