Che: Guerilla (USA/F/E 2008)

che-guerillaDer Abschied einer Ikone: Mit „Che: Guerilla“ setzt Steven Soderbergh sein emotionslos distanziertes Portrait des ewigen Freiheitskämpfers Ernesto „Che“ Guevara fort. Wiederum basierend auf Tagebuchaufzeichnungen des argentinischen Arztes, skizziert der abschließende zweite Teil des überlangen Revolutionsmosaiks dessen Versagen. Bereits der erste Film konzentrierte sich auf Einblicke in den umstürzlerischen Alltag und verzichtete auf die Vorgabe wesentlicher Hintergrundinformationen. Nach dem gelungenen Staatsstreich auf Kuba blendete Soderbergh („Solaris“) einfach aus. Ohne Triumph keine Heroisierung.

Erwies sich diese Näherung an den Mythos des ewigen Kriegers bereits als sperrig, wird es in der Fortsetzung nur mehr spröder. 1965 legt Guevara, wieder so überzeugend wie unergründlich gespielt von Benicio Del Toro („21 Gramm“), seine Ämter in Castros Staatsapparat nieder. Es zieht ihn hinaus, in die Welt der Unterdrückten, wo das Erfolgsmodell der kubanischen Revolution unter seiner taktischen Weisung Schule machen soll. Erst ist es der Kongo, danach die Dschungel Lateinamerikas. Bis 1967 hält er die Revolution in Bolivien am Leben. Am Ende wird sie sein eigenes fordern.

Die lineare Chronik des Scheiterns bleibt als Anti-Biopic frei von Bitterkeit. Noch ausgeprägter als bei „Revolución“ zeigt sich der dokumentarische Charakter. Mit falschem Pass reist Che in Bolivien ein, trifft Kontaktleute, wird Teil des Untergrunds. Danach werden die Hände der Genossen geschüttelt, sich herzlich in den Armen gelegen, in Birkenwäldern Quartier gemacht. Der große Sieg auf Kuba aber lässt sich nicht wiederholen. Machthaber Barrientos (Joaquim de Almeida, „Desperado“) lässt mit Hilfe der CIA nicht zu, dass der Drang nach Veränderung auf die Arbeiter und Bauern übergreift.

Früh zeichnet sich die Niederschlagung ab. Im Laufe der Monate werden die Rebellen, unter ihnen Franka Potente („Die Bourne Identität“) als deutschstämmige Kämpferin Tamara Bunke, dezimiert. Mit striktem Verzicht auf dramaturgisch aufgeheizte Actionszenen. Die Essenz von Soderberghs Che-Darstellung ist der unbedingte Willen. Bis zum letzten Atemzug, seiner Hinrichtung in Gefangenschaft, streitet Guevara für das, an was er glaubt. Dies Fazit bleibt so nüchtern gefasst wie der Rest. Allerdings geht auch „Guerilla“ nicht das Wagnis ein, über dies personifizierte Sinnbild des Widerstands zu urteilen. Eine Näherung an den Menschen hinter dem Gesicht, auf Shirts und Postern ewig lebendig, bleibt damit aus.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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