Chatos Land (USA 1972)

chatosland„Was man nicht sieht, kann man nicht bekämpfen.“

Die Kompromisslosigkeit des Italo-Westerns veränderte das Gesicht des gesamten Genres. Plötzlich waren da nicht mehr nur die aufrechten Helden und die skrupellosen Scheißkerle, sondern Figuren mit Wesenszügen beider Lager. Das färbte ab. Auch in Amerika ging es fortan staubiger zu, wurde dreckiger gestorben und expliziter gemordet. „Chatos Land“ zeugt von dieser Entwicklung und drückt ihr anbei einen hintersinnigen Stempel auf. Der schnörkellose Reißer ist eine Studie über Rassismus und die Verselbständigung von Gewalt. Sie ist es, die in ihrer derben Vergegenwärtigung den mahnenden Zeigefinger ersetzt.

In der Hauptrolle lässt Charles Bronson die Muskeln spielen und das Sprechen weitgehend bleiben. Als Schnauzbart-Indianer Chato killt er sich in Notwehr einen Sheriff und flieht aus der Stadt. Der ehemalige Südstaatenoffizier Quincy (stark: Jack Palance, „Lasst uns töten, Companeros“) legt darauf die alte Uniform an, trommelt einen von Hass zerfressenen Mob zusammen und nimmt die Verfolgung des „rothäutigen Niggers“ auf. Ein schneller Erfolg stellt sich nicht ein. Also richtet sich die Wut der Männer gegen das, was gerade kommt. Erst ist es ein verlassenes Indianerdorf, danach Chatos Familie.

Das Apachen-Halbblut hat nicht den Tod seiner Häscher zum Ziel. Anfangs erschreckt er sie nur, zerschneidet im Schlaf ihre Wasserschläuche und versucht sie durch psychologische Kriegsführung zum Umkehren zu bewegen. Ihre Verachtung aber trübt mehr und mehr den Blick für die Realität. Veteran Quincy, dem das Unterfangen einen Ausbruch aus der Lethargie des bürgerlichen Lebens bescheren sollte, muss bald erkennen, dass er die Kontrolle über die Männer verloren hat. Als Chatos Frau brutal vergewaltigt und sein Bruder bei lebendigem Leib verbrannt wird, schlägt der Verfolgte erbarmungslos zurück.

„Chatos Land“ ist der erste von insgesamt sechs Filmen, die Regisseur Michael Winner gemeinsam mit Charles Bronson drehte. Dieser Vorgeschmack auf „Death Wish“ bedient sich ähnlicher Härte, ist in seiner Aussage aber klarer. Selbstjustiz wird nicht glorifiziert, sondern Gewalt im Allgemeinen als Ausdruck von Unvernunft angeprangert. Die Bestie in Menschengestalt lässt die Jäger bald über sich selbst herfallen und das patriarchalische Machtgefüge zugunsten des Stärkeren tendieren. Dazu braucht es weder Tempo, noch ein Übermaß an Action. Ein oft unterschätzter wie gleichwohl äußerst düsterer Streifen.

Wertung: (7 / 10)

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