Charly und die Schokoladenfabrik (USA/GB 2005)

charlie-und-die-schokoladenfabrikDie muntere Zusammenarbeit des Bizarr-Traumduos Tim Burton und Johnny Depp geht in die nächste Runde. Nachdem beide bereits mit „Edward mit den Scherenhänden”, „Sleepy Hollow” und „Ed Wood” Erfolge feiern konnten und Depp auch eine Sprechrolle in Burtons neuestem Knet-Kunstwerk „Corpse Bride” wahrnehmen wird, wählte Hollywoods dunkler Märchenonkel Burton den Kinderbuchklassiker „Charly and the Chocolate Factory” des 1990 verstorbenen Roald Dahl als nächstes (gemeinsames) Projekt. Der Stoff wurde bereits 1971 mit Gene Wilder verfilmt und erfährt mit Burtons Version nun seine zweite filmische Interpretation.

Willy Wonka (Johnny Depp) ist nicht nur äußerlich ein eigenartiger Zeitgenosse, sondern gleichzeitig gehört ihm auch noch die größte Schokoladenfabrik der Welt, die nur die innovativsten Süßigkeiten kreiert und gleichzeitig auch noch die mit Abstand erfolgreichste Schokolade herstellt. Doch Willy Wonka hat ein Problem, Spione tragen seine Ideen und Kreationen aus der Fabrik direkt in die Arme der Konkurrenz, die kurze Zeit später ähnliche Produkte wie er auf den Markt wirft. Darüber ist Wonka so verärgert, dass er die Fabrik schließt und alle Arbeiter entlässt.

In unmittelbarer Nähe der Fabrik wohnt der kleine Charlie Bucket (Freddie Highmore) mit seiner Familie (u.a. Helena Bonham Carter) in ärmlichen Verhältnissen. Sein Großvater arbeitete einst selbst in der Fabrik des Willy Wonka, während sein Vater in einer Zahnpastafabrik das einzig spärliche Geld für die Familie verdient. Jedes Jahr erhält Charlie zu seinem Geburtstag eine Tafel seiner über alles geliebten Wonka-Schokolade, was in diesem Jahr von ihm besonders sehnlichst erwartet wird. Denn Willy Wonka ist zurück, seine Fabrik produziert wieder und über ein Gewinnspiel lädt er fünf Kinder auf eine große Besichtigungstour in seine Produktionsstätte ein. Dazu benötigt man eines der fünf Tickets, die in unzähligen Tafeln von Wonkas Schokolade versteckt sind. Nachdem bereits vier Tickets von mehr oder minder glücklichen Kindern gefunden wurden, kann Charlie aber mit Glück das letzte Ticket erhaschen und macht sich bereits kurze Zeit später mit seinem Großvater sowie den vier anderen Kindern in die Fabrik des Willy Wonka auf, wobei auf einen von ihnen am Ende des Tages eine besondere Überraschung wartet.

Es gibt in Hollywood wohl nur wenige Filmemacher und Schauspieler, die ihr Publikum – allen voran natürlich ihre Fangemeinde – so derart in Verzückung bringen können wie Tim Burton („Mars Attacks”, „Big Fish”) hinter der Kamera und der frühere Teenie-Star Johnny Depp („Fluch der Karibik”, „Fear and Loathing in Las Vegas”) davor. Die Chemie zwischen beiden stimmt, nicht umsonst arbeiteten sie bereits mehrfach miteinander und auch „Charly und die Schokoladenfabrik” hätte wohl von niemand anderen so perfekt in Szene gesetzt werden können, wie von diesen beiden Junggebliebenen. Während Tim Burton seinen Filmen häufig eine düstere wie skurrile Atmosphäre verleiht, so ist in seinem neuesten Werk lediglich der Begriff „skurril” angebracht, denn statt düsterer Kulissen gibt sich Burton hier bunter und knalliger denn je. Schokoladen-Wasserfälle, Nüsse knackende und aussortierende Eichhörnchen, gläserne Aufzüge, die einen an jeden erdenklichen Ort bringen, oder die kleinen Umpa Lumpas, die netten und musikalisch begabten Helfer des Fabrikbesitzers, alles ist in Wonkas Schokoladenfabrik möglich.

Niemand hätte die Figur des Willy Wonka wohl besser verkörpern können, als der wandelfähige Johnny Depp, der hier wie so oft eine Glanzleistung hinlegt. Der häufig angebrachte Michael Jackson-Vergleich liegt auf der einen Seite vielleicht auf der Hand, ist aber wohl eher als Zufall zu werten und fällt letztlich auch nicht übermäßig ins Gewicht. Als guter Onkel von Nebenan darf seine Figur aber nicht missverstanden werden, denn im Grunde ist er mehr Kinderhasser denn -freund. Zwischen kindlicher Naivität, Ideenreichtum und einem Vater-Komplex sorgt Depp für die wohl meisten Lacher, während ansonsten nur die putzigen Umpa Lumpas für heitere Momente sorgen, die ihre sarkastisch musikalischen Sanges- und Tanzeinlagen nach jedem hintersinnigen und durchaus konsumkritischen „Ausscheiden” eines Kindes vortragen dürfen. Diese kleinen wie treuen Helfer wurden im übrigen allesamt von Deep Roy verkörpert und tauchten u.a. auch schon bei „Futurama“ auf.

Der junge Freddie Highmore zeigt nach „Wenn Träume fliegen lernen” abermals an der Seite von Johnny Depp eine ansprechende Leistung. Bleibt an dieser Stelle zu hoffen, dass er nicht wie andere vermeintliche Kinderstars im Niemandsland der Traumfabrik endet. In einer Nebenrolle ist „Dracula”-Darsteller Christopher Lee als Willy Wonkas Vater zu sehen, der gegen Ende des Films nach vielen Jahren Abstinenz Johnny Depp mit Tränen in den Augen in die Arme schließt. Ein Moment, der beinahe allein das Eintrittsgeld wert ist und nach seinem Kurzauftritt in „Sleepy Hollow” ließ es sich Lee nicht nehmen, auch hier eine kleine Rolle zu übernehmen. Auch Burtons Ehefrau Helena Bonham Carter („Big Fish“, „Fight Club“) hat einen Nebenpart als Mutter von Freddie Highmore und untermauert auch hier ihren Ruf als Paradiesvogel.

Wie es sich für einen Film von Tim Burton gehört, sind die Kulissen perfekt und Märchenhaft gestaltet. Die unterschiedlichen Räume, Hallen und Szenarien der Fabrik wurden bis ins kleinste Detail geplant und Burton konnte seiner unendlich erscheinenden Fantasie freien Lauf lassen. „Charly und die Schokoladenfabrik” ist vieles, zum einen natürlich ein Märchen und in erster Linie ein Kinderfilm, den jedoch auch ohne Probleme Erwachsene genießen dürfen. Jedoch muss man bereit sein, sich auf diese skurrile Reise von Tim Burton einzulassen, was sicherlich nicht jedermanns Geschmack sein wird und vor allem die „dünne“ Story könnte älteren Besuchern des Films vielleicht fade aufstoßen. Doch ist es wie so häufig bei Burton. Es scheint so, als wenn sein eigenes Lieblingskinderbuch vergangener Tage vor seinen Augen als Film abläuft. Manche erinnern sich gerne daran, manche weniger. Vielleicht nicht der stärkste Film von Burton, doch immer noch mehr als eine Reise wert.

Wertung: (7,5 / 10)

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