Charlie Valentine (USA 2009)

charlie-valentineGangster, Fußball und Gewalt. Eine Mischung, die man zuletzt häufig aus England zu sehen bekam und die auch für den Filmemacher Jesse V. Johnson nichts Neues ist, was sein fader Gewalt-Klopper „Hooligans 2“ belegt. Nach „The Butcher“ präsentiert er nun einen weiteren reinen Gangster-Film, bei dem er bisweilen handwerkliches Geschick zeigt, auf erzählerischer Ebene jedoch deutliche Defizite aufweist. Dafür gibt es ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern, u.a. sind Matthias Hues („Karate Tiger 2“), Jerry Trimble („Karate Tiger 5“), Keith David („Pitch Black“) und Tom Berenger („Platoon“) mit an Bord.

Die Titelfigur, Charlie Valentine (Raymond J. Barry, „Training Day“), ist ein Urgestein der hiesigen Unterwelt. Seit Jahren ist er dick im Geschäft, konnte sich in all den Jahren jedoch immer aus dem Gröbsten heraushalten. Im Gegensatz zu vielen anderen gilt er als Gentlemen seiner Zunft. Ein letzter großer Coup soll die Rente sichern, der Überfall scheitert jedoch und seine Komplizen und Freunde sterben allesamt im Kugelhagel. Auf sich allein gestellt und Gangsterboss Rocco (James Russo, „Public Enemies“) im Genick, flüchtet Charlie nach L.A., wo er bei seinem Sohn Danny (Michael Weatherley, „Dark Angel“) unterkommt. Dieser will von seinem Vater alles Wichtige lernen, doch damit bringt er ihn zwangsläufig ins Visier von Rocco.

Mit der Grundkonstellation von „Charlie Valentine“ hat sich Regisseur Jesse V. Johnson nicht sonderlich weit aus dem Fenster gelehnt. Klassisch die Geschichte, erstaunlich einfach die Umsetzung, die bisweilen sogar recht billig wirkt. Selbst auf Ebene eines B-Movie. Atmosphäre baut der Film leider viel zu selten auf, dafür vertieft Johnson die wesentlichen Punkte einfach nicht, gerade im Vater/Sohn-Verhältnis. An Raymond J. Barry liegt dies nicht, dieser genießt den Glanz der Hauptrolle sichtlich und spielt den alternden Gentlemen-Gangster überzeugend. Dies steht allerdings in genauem Gegensatz zur Dramaturgie des Films, manch anderer Figur oder auch den Dialogen. Wenn Barry seinen (Film-)Sohn Michael Weatherley in die Geheimnisse des Gangster-Daseins einweiht und schult, dann endet dies in schlichtweg unfreiwillig komischen Sequenzen. Denn die Methoden und Weisheiten unterscheiden sich nicht groß von den Trainingsszenen eines drittklassigen Martial-Arts-Films.

Den Action-Anteil fährt Johnson auf ein erträgliches Maß zurück. Gestorben wird nur selten, dann aber richtig und bisweilen unnötig brutal. Dem Film hilft das Kunstblut aus allen erdenklichen Körperöffnungen kaum, vielmehr verliert er dadurch an Glaubwürdigkeit, da Johnson die Gewalt zum Selbstzweck stilisiert und diese dann in den Vordergrund rückt. Ähnlich wie es schon in anderen seiner Filme der Fall war. Von der ästhetischen Seite kann „Charlie Valentine“ kaum punkten, nur recht lieblos werden die blutigen Scharmützel eingefangen, für den Rest fehlte schlichtweg das Geld. Trotz ordentlicher Ansätze reicht es hier lediglich für solides B-Niveau, bei denen neben den Gewaltspitzen letztlich vor allem die vielen bekannten Gesichter und ein überzeugender Hauptdarsteller herausragen.

Wertung: (4,5 / 10)

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