Catwoman (USA 2004)

catwomanComic-Adaptionen und kein Ende in Sicht. Wenn die originalen Superhelden schon kein Futter mehr für filmische Ausdünstungen hergeben, müssen eben sogenannte ‚Spin Offs’ ihre Dienste an der Front verrichten. Gemeint sind damit Extrahierungen prägnanter Nebencharaktere in ihr eigenes Umfeld (siehe in Kürze „Elektra“). Und da in der Zwischenzeit quasi jeder Zuschauer vergessen hat, dass die Katzenfrau aus „Batmans Rückkehr“ (geschweige denn der Vorlage) eigentlich hellen Teint aufwies, wird kurzerhand Oscar-Preisträgerin Halle Berry („Monster´s Ball“) ins knappe Lederoutfit gezwängt. Dass der Plot des immer wieder aufgeschobenen „Catwoman“-Films jedoch so dünn ist wie Frau Berrys Oberbekleidung, mag manchen Zuschauer dabei wenig stören. Immerhin gewährt die grazile Actrice zahlreiche Blicke auf ihre physischen Vorzüge. Doch macht Sex Appeal allein längst keinen guten Film.

Die schüchterne Grafikerin Patience Philips (Berry) arbeitet im Kosmetikkonzern des despotischen Unternehmers George Hedare (Lambert Wilson, „Matrix Reloaded“). Als die junge Frau eines Abends zufällig hinter das finstere Geheimnis der neuen Beauty-Creme ihres Brötchengebers steigt, wird sie kurzerhand in giftigem Abwasser beseitigt. Doch wird Patience durch den „Kuss“ einer altägyptischen Tempelkatze ins Leben zurückgeholt. Ausgestattet mit geschärften Sinnen, behänder Beweglichkeit und enormem Selbstvertrauen startet sie als Catwoman einen Rachefeldzug gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber. Allerdings hat die schlagkräftige Heroine nicht mit der Kaltblütigkeit von Hedares Frau, dem alternden Supermodel Laurel (Sharon Stone, „Basic Instinct“) gerechnet.

Statt rasanter Comic-Action bietet „Catwoman“ nur Katzenjammer. Dabei präsentiert sich der Auftakt nicht uninteressant. Sympathisch etabliert sich Halle Berry als graues Mäuschen mit der Berufung zu höheren Aufgaben. Doch spätestens mit der Wiederbelebung durch den angestaubten afrikanischen Stubentiger keimt Konfusion auf. Unbeholfen strickt das flache Skript einen fantasielosen Plot um seine reizende Hauptdarstellerin und kreist schier endlos um die knospende Beziehung zwischen Patience und dem toughen Gesetzeshüter Tom Lone (Benjamin Bratt, „Miss Undercover“). Denn bedauerlicherweise bedient „Catwoman“ nur charakterliche Stereotypen. Die guten sind ausnahmslos gut bis zur Halskrause, die bösen diabolisch genoppt bis zu den Zehennägeln.

Mit seinem experimentellen Regieerstling „Vidocq“ vermochte Pitof das Publikum zu fesseln. Sein US-Debüt hingegen wird dem Anspruch des Franzosen in keiner Weise gerecht. Zwar entfacht der einstige Effektkünstler, der die frühen Filme Jean-Pierre Jeunets („Delicatessen“) visuell veredelte, auch hier Momente eigentümlicher Magie, doch krankt sein uninspirierter Fantasy-Comic an einem eklatanten Mangel an Atmosphäre und packender Ideen. Die spärlich gesäten Actionsequenzen beschränken sich auf hektische Schnittfolgen und durchwachsene Computeranimationen, die Figuren werden mit grob umrissenen Wesenszügen und Klischees ihrem Schicksal zugeführt. Das ist vor allem tragisch für die potenziell stimmige Besetzung, obgleich Sharon Stone als durchtriebenes Biest eher unfreiwillige Komik denn ambitionierte Bösartigkeit subventioniert. Nach ihrem Auftritt in „Casino“ rief noch jeder nach der Würdigung des blonden Gifts mit dem Oscar, nach der peinlichen Abfuhr in „Catwoman“ winkt wohl nur noch das Altenteil.

Wertung: (3 / 10)

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