Castle Freak (USA 1995)

castlefreakSchlösser bergen Geheimnisse. Das ist es, was die Faszination der alten Gemäuer aufrecht erhält. Auch die Platzherrin, die da zu Beginn von „Castle Freak“ durch karge Flure streift, hat so ihre Leichen im Keller. Im wörtlichen Sinne. Die meisten davon liegen in der Familiengruft. Aber da ist noch etwas zwischen Leben und Tod, ein deformierter jammernder Teufel, angekettet in einem einsamen Verlies. Der wird mit einem Stück Brot, zwei Scheiben Wurst und einem Dutzend Peitschenhieben verköstigt, ehe die alte Peinigerin auf dem Weg in die verdiente Nachtruhe das zeitliche segnet.

Jene schnöde Burg in Italien erben John Reilly und Gattin Susan (Jeffrey Combs und Barbara Crampton, dem Genrefreund bekannt aus „Re-Animator“). Über die Schieflage ihres familiären Haussegens gibt eine Rückblende Aufschluss, in der er einen Autounfall verschuldet, der Tochter Rebecca (Jessica Dollarhide) das Augenlicht und den Sohn gar das Leben kostet. Die Luftveränderung mindert die Schuldzuweisungen der Gattin nicht, so dass John im nahen Dorf nach weiblicher Gesellschaft sucht. Über die freut sich auch der Kellerknabe, den neben der Freiheit auch die Mordlust umtreibt.

„Castle Freak“ wird gern – und mitunter auch zu recht – gescholten. Allein wegen der Langatmigkeit, die familiäre Konflikte dramaturgisch aufbauscht und schier endlos in die Breite walzt. Versöhnlich stimmt die dichte Gruselatmosphäre, nicht nur dem Setting nach sichtlich an italienische Vorbilder angelehnt. Gorehounds können sich dabei an vereinzelt heftigen Gewaltakten ergötzen, was insgesamt aber einfach zu wenig ist, als dass Stuart Gordons („From Beyond“) Film Welten bewegen oder wohlige Gänsehaut erzeugen könnte. Mit Combs und Crampton aber hat er immerhin souveräne Darsteller an der Hand.

Der Freak selbst ist ein Opfer unsittlicher Umstände. Gut, er kommt recht deformiert daher, hat kein Benehmen und knabbert sich selbst einen Daumen ab, um die ihm auferlegten Ketten abstreifen zu können. Als Filmmonster aber bleibt er eher von trauriger Gestalt. Das trifft auch auf Vater Reilly zu, der sich, als der mordende Hausgast schlussendlich sein Antlitz offenbart, zum Schutze seiner Lieben opfert. Gordons gediegener Schocker ist ansehnlich inszeniert, bleibt aber zu sehr auf die Problemwelten seiner Figuren fokussiert. Ein nicht eben schlechter, über die recht gedehnt wirkende Spielzeit aber doch etwas unausgegorener B-Horrorfilm.

Wertung: (5 / 10)

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