Casanova (USA 2005)

casanova-2005Kaum eine historische Figur zieht sich so häufig in den unterschiedlichsten Abwandlungen durch die Filmgeschichte wie der venezianische Urtyp des Playboy, Giacomo Casanova. Und so kommt auch alle Jahre wieder eine Verfilmung, mal mehr mal weniger genau an die historische Figur angelehnt, die aus den zahlreichen Motiven des Lebens dieser Legende angelehnt ist. So auch der neueste Film von Regisseur Lasse Hallström („Gottes Werk und Teufels Beitrag“).

Das Venedig des 18. Jahrhunderts ist ein Ort der gedanklichen und sittlichen Freiheit. Genau der richtige Platz für Giacomo Casanova (Heath Ledger, „Brothers Grimm“), der einen nicht geringen Teil der weiblichen Bevölkerung der italienischen Metropole regelmäßig – wie soll man es anders sagen – flachlegt. Da sich der Gute jedoch auch nicht aus Nonnenklöstern fernhalten kann, wird er von der, zugegebenermaßen sehr laschen Inquisition der Stadt überwacht und zu Strafen verurteilt, die Casanovas Freund, der Doge (Tim McInnery, „The Black Adder“) regelmäßig wieder aufhebt. Doch irgendwann ist es auch mit dessen Geduld am Ende.

Deshalb stellt er Casanova ein Ultimatum: Entweder der Lebemann heiratet bis zum anstehenden Karneval, oder er muss die Stadt verlassen. Also geht der Weiberheld einmal mehr auf Brautschau, diesmal aber auf der Suche nach einer respektablen Gattin, die ihm bei seinem weiteren Lebensweg möglichst nicht im Weg sein soll. Die findet er in der liebreizenden Jungfrau Victoria (Natalie Dormer in ihrer ersten Rolle), dummerweise fällt sein Blick aber auch auf deren Nachbarin Francesca (Sienna Miller, „The Fantastic Four“). Die ist allerdings schon dem Geschäftsmann Papprizzio (Oliver Platt, „Lake Placid“) versprochen. Und just zu dieser Zeit kommt auch ein neuer Inquisitionsbeamter in die Stadt (Jeremy Irons, „Der Kaufmann von Venedig“), der Casanova das Leben zusätzlich schwer macht.

„Casanova“ ist ein recht harmloser Film. Vermutlich in dem Anspruch, einen Film für „die ganze Familie“ zu drehen, vermischt Regisseur Lasse Hallström einerseits Humor, der gelegentlich nahe am Slapstick vorbei manövriert, mit seichten sexuellen Anspielungen. Leider funktioniert keins von beidem wirklich. Der Humor ist vergleichbar mit dem recht kindischen Gehabe aus „In 80 Tagen um die Welt“ und die erotische Komponente kommt wahrlich langweilig daher. Insofern hat sich Hallström mit seinem neuesten Werk nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Da hat er schon deutlich besseres auf Zelluloid gebannt. Auch die Darsteller sind nicht sonderlich beeindruckend. Heath Ledger, der gerade noch mit „Brothers Grimm“ einen äußerst positiven Eindruck hinterlassen hatte, fällt zurück in eine Mischung aus „Ritter aus Leidenschaft“ und „Der Patriot“ – beides wahrlich keine Großtaten. Sienna Miller gibt da schon eine bessere Figur ab – in Jubel sollte man darüber allerdings auch nicht verfallen.

Das ist alles nicht gut, aber eben auch nicht so schlimm. Wirklich ärgerlich ist eigentlich nur Jeremy Irons, der so offensichtlich hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt, dass es kaum erträglich ist. Nichts gegen sinnvoll eingesetztes Overacting, aber was der eigentlich fantastische Charakterdarsteller hier abliefert, spottet jeder Beschreibung. Man muss sich gelegentlich die Augen reiben, um noch sicher zu sein, dass hier der Darsteller spielt, der einst Humbert Humbert und noch so viele weitere großartige Rollen ausfüllte. Zu den Stärken von „Casanova“ zählt hauptsächlich die sehr stimmige Ausstattung und vor allem die sehr gut gewählten und gestalteten Kostüme. Das diese manchmal nicht im allerbesten Licht erstrahlen, ist eher der halbherzigen Kameraführung geschuldet.

Insofern ist „Casanova“ ein bestenfalls durchschnittlicher Film. Ein vollkommen harmloses Stück Zelluloid, an dem sich niemand wirklich stoßen kann. Warum der Film in den USA die Altersfreigabe „R“, also ab 17 erhalten hat, kann man nur vermuten. Der Film ist sicherlich nicht überragend, aber wenigstens ist es kein Totalausfall. Für ruhige 108 Minuten ohne besondere Höhen reicht es immerhin.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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