Carriers (USA 2009)

carriersIn der Post-Apokalypse überleben kann nur, wer einem strikten Regelwerk folgt. Selbst wenn dies bedeutet, Freunde und Familie ohne einen Blick zurück ihrem Schicksal zu überlassen. Menschlichkeit zählt nichts mehr, zu groß ist Gefahr für das eigene Leben. Man kennt solch pessimistische Zukunftsentwürfe zur Genüge. Meist sind Zombies involviert, die den Verbliebenen wahlweise wankend oder gut zu Fuß das Leben zur Hölle machen. Von ihnen, exemplarisch zu nennen sind „Dawn of the Dead“ und „28 Days Later“, ist „Carriers“ jedoch weit entfernt.

Den Horrorfans sei deshalb eine Warnung vorausgeschickt. Das US-Debüt der spanischen Brüder Álex und David Pastor ist ein bitteres Drama vor dem erschreckend nachvollziehbaren Hintergrund einer Pandemie. Das mag durchaus Weltuntergangsbeklemmung á la Romero verbreiten, kommt Stephen Kings Kurzgeschichte „Night Surf“ aber näher als gängigen Untoten-Invasionen. Eine Katastrophe nach klassischem Muster also, bei der die Infizierten keinen kannibalistischen Drang verspüren, sondern schlicht qualvoll verenden. Die Ausbreitung erfolgt rasend, bereits der Atem der Erkrankten kann zur Ansteckung führen.

Mit entsprechender Vorsicht bewegen sich Brian (der neue „Star Trek“-Kapitän Chris Pine), sein jüngerer Bruder Danny (Lou Taylor Pucci, „Fast Food Nation“) sowie Brians Freundin Bobby (Piper Perabo, „The Prestige“) und Kate (Emily VanCamp, „Brothers & Sisters“) durch die entvölkerten Lande. Ziel ist ein entlegener Strand, an dem die Geschwister in ihrer Kindheit oft mit den Eltern waren. Der Weg dorthin entpuppt sich jedoch als nicht enden wollender Alptraum. Nach einer Autopanne sind sie gezwungen mit Frank (Cristopher Meloni, „Law & Order: New York“) zu paktieren, der seine infizierte Tochter in Sicherheit bringen will.

Das Portrait einer entmenschlichten Welt mag grundlegend bekannten Mustern entsprechen, konzentriert sich jedoch auf die Umgangsformen der Figuren mit der lebensbedrohlichen Ausgangssituation. Illusionslos vermeiden die Pastors Klischees und setzen auch das erzählerische Tempo zehrend gering an. Clever gewählt ist der optische Rahmen, der mit warmen Farbtönen und sommerlichem Setting in krassem Kontrast zum dargestellten Chaos steht. Barmherzigkeit und Humanismus beschleunigen nur den eigenen Tod. Treffen mit anderen, meist verrohten Überlebenden, und Bobbys von ihr verheimlichte Ansteckung treiben die hoffnungslose Abwärtsspirale an. Der Horror wirkt real – und erzielt drastische Wirkung auch ohne Zombies und Gewaltexzesse.

Wertung: (7 / 10)

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