Captain America – The First Avenger (USA 2011)

captainamericafirstavengerSeitdem Comic-Riese Marvel mit eigener Produktionsfirma ins Filmgeschäft vorgestoßen ist, laufen die Vorbereitungen für das Crossover-Spektakel „The Avengers“ auf Hochtouren. In den verschiedenen bislang in die Kinos gebrachten Einzelauftritten der beteiligten Superhelden (Iron Man, Hulk, Thor) wurden zu Hauf Querverweise gestreut und Nebenfiguren eingeführt (darunter Scarlett Johansson als Black Widow). Was bislang fehlte war Captain America, seines Zeichens „The First Avenger“. Erzählt wird seine (Vor-)Geschichte von „Wolfman“-Regisseur Joe Johnston, der das hurra-patriotische Potenzial der Figur mit Ironie zu umschiffen versucht.

Erfunden wurde die Figur des heroischen Supersoldaten, in den sich der vaterlandsliebende Schwächling Steve Rogers als Versuchskaninchen eines geheimen militärischen Experiments verwandelt, während des Zweiten Weltkrieges. Entsprechend schwer scheint zu glauben, dass die Comic-Schöpfer Jack Kirby und Joe Simon nicht den Appell an Patriotismus und Nationalstolz im Sinn hatten. Doch auch wenn der Film mit Chris Evans („Fantastic Four“) einen sympathischen Hauptdarsteller bereit hält und Heldenpathos sowie überlegene amerikanische Courage nicht zu offensiv in den Mittelpunkt rücken, kann auch dieser Comic-Einstand nicht durchweg überzeugen.

Dabei macht die frei von erzählerischer Hast vollzogene Herleitung des Helden nicht zuletzt aufgrund der detailreichen Ausstattung Hoffnung auf ein bildgewaltiges Abenteuer mit profilgeschärften Figuren. An Schauspielern und Umsetzung liegt es denn auch nicht, dass „Captain America“ dem Potenzial des Stoffes schlussendlich hinterherläuft. Vielmehr ist es das flache Skript von Christopher Markus und Stephen McFeely („Die Chroniken von Narnia“), das als überbordend visualisierte Propaganda-Satire (inklusive des obligatorischen Stan Lee-Cameos) Fahrt aufnimmt und als beliebige Superhelden-Kriegs-Action flüchtige Krawallszenarien aneinanderreiht und letztlich ebenso in der Banalität bruchlandet wie der Held im Finale.

Denn „The Avengers“ spielt in der Gegenwart, während „Captain America“ 1942 angesiedelt ist. So muss bereits der Prolog eine Schockfrostung des Helden im ewigen Eis andeuten, der im Rückblick die trickreichen Versuche des wiederholt ausgemusterten Steve beschreibt, doch noch fürs Vaterland in den Krieg ziehen zu dürfen. Sein grundguter Charakter prädestiniert ihn für die Experimente des aus Nazideutschland geflohenen Wissenschaftlers Erskine (Stanley Tucci, „Burlesque“), der ihn mit einem wundersamen Serum zum wendigen Supersoldaten macht. Nur hat der grantige Colonel Phillips (Tommy Lee Jones, „Men in Black“) anfangs keine Verwendung für den plötzlich muskelbepackten Recken und ordnet ihn einer Kriegsanleihen bewerbenden Theatertruppe unter.

Während einer Tour durch die bereits eroberten Gebiete Europas gelingt es ihm mit Unterstützung der jungen Militär-Beamtin Peggy Carter (Hayley Atwell, „Säulen der Erde“) sowie dem brillanten Erfinder Howard Stark (Dominic Cooper, „Die Herzogin“) – Vater von „Iron Man“ Tony Stark – doch noch zum gefeierten Helden zu avancieren. So stellt er sich dem abtrünnigen Nazi-Forscher Johann Schmidt („Matrix“-Finsterling Hugo Weaving) entgegen, den ein Prototyp von Erskines Serum in das machtbesessene Monster Red Skull verwandelte. Wie der Bösewicht bleiben aber auch die beiläufig auf den Zuschauer herein prasselnden Actionszenen nachhaltige Eindrücke schuldig, so dass der „First Avenger“ die Chance eines konstant ausgewogenen Heldenspektakels schlicht verpasst.

Wertung: (6 / 10)

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