Cannibals – Welcome to the Jungle (AUS/USA 2007)

cannibalswelcometothejungleDer verstörende Blick auf die Abgründigkeit fremder Kulturen bescherte dem Kannibalen-Film in den siebziger Jahren reges Interesse. Angefacht durch die dokumentarischen Schnipselcollagen des Mondo-Kinos durfte das Publikum, zwischen Faszination und Ekel in die Sessel gepresst, auf voyeuristischen Wegen das Glück der Leichtigkeit des eigenen Seins erfahren. Zumindest im Vergleich zu denjenigen Protagonisten, die da auf der Leinwand ausgeweidet und verspeist wurden.

„Punisher“-Regisseur Jonathan Hensleigh entdeckt dies uritalienische Genre für den internationalen Markt neu und eifert mit „Cannibals – Welcome to the Jungle“ der modernen Spielart des Billigfilms nach. Pate stand, neben Ruggero Deodatos umstrittenem Klassiker „Cannibal Holocaust“, zeitgenössischer Handkameragrusel der Marke „Blair Witch Project“. Denn der ist nicht nur preiswert zu produzieren, er zielt durch den die Optik fast automatisch mit sich bringenden Realismus auch unverzüglich auf die Eingeweide des Zuschauers.

Der banale Aufhänger ist die Suche abenteuerlustiger und waschbrettbäuchiger Twens nach dem 1961 in Neu Guinea spurlos verschwundenen Politikersohn Michael Rockefeller. Sympathie wecken die vier Hauptfiguren nicht, nach zunehmender Antipathie aber schlussendlich zumindest Mitleid. Sie sind sich der Gefahren ihrer Reise in eine der unsichersten Gegenden der Welt durchaus bewusst. Rechtfertigt die Naivität der Glücksritter da überhaupt noch den Aufbruch?

Hensleighs Drehbuch schreibt ihnen jede noch so respektlose Dummheit vor, um am Ende auch ja auf dem Speiseplan eines unzivilisierten Naturvolkes zu landen. Selbstredend verfügt das Szenario über die notwendige Beklemmung, wenn die auch erst viel zu spät, nämlich in der letzten halben Stunde, zum tragen kommt. Bis dahin hat sich die Gruppe zerstritten, getrennt und an den Gräbern der Wilden vergriffen. Kein Wunder also, dass das Gesetz des Dschungels mit aller Härte zurückschlägt.

Wo die südeuropäischen Vorreiter keine Grausamkeit aussparten und auch vor der Tötung echter Tiere nicht zurückschreckten, hält sich die US-Version weitgehend bedeckt. Wirkung erzielt bekanntlich auch die Suggestion, hier unterstützt durch die zehrende Sichtung fleischlicher Überreste. Auf psychologischer Ebene hingegen funktioniert das überhaupt nicht. Auch die angestrebte Authentizität leidet durch gekünstelte Spielszenen und bewusste Bildmontage. Unbequem ist das allemal, über weite Strecken aber geht „Cannibals“ die schockierende Natürlichkeit der italienischen Wegbereiter ab.

Wertung: (4 / 10)

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