Ca$h (USA 2010)

cashbeanDie Wirkung eines einzigen kleinen Blutflecks auf der Oberbekleidung sollte nicht unterschätzt werden. Bei Pyke Cubic (Sean Bean, „Herr der Ringe“) ist er Druckmittel und zugleich Zeichen konstanter Bedrohung. Die Stimme des adrett gekleideten Briten ist stets gefasst. Einschüchternd wirkt er dennoch, durch eine Direktheit, die verunsichert und Widerstand als optionale Handlungsmöglichkeit schlicht ausschließt. Wer sich von seiner bulligen Erscheinung nicht aus der Ruhe bringen lässt, der wird mit eruptiven Gewaltausbrüchen von den Konsequenzen seines Ungehorsams eingeholt. Von solch einer Episode rührt auch der rote Punkt auf Pykes Hemd her.

In Chicago besucht der Gangster seinen Bruder (auch Bean), der nach dem Überfall auf das Wettbüro einer Rennbahn verhaftet wurde. Die Beute warf er auf der Flucht vor der Polizei aus dem Auto, den Komplizen ließ er von den Beamten bei der Festsetzung erschießen. Mitwisser gibt es also keine und die Beweislast der Cops ist auch empfindlich dünn. Pyke soll die Beute sicherstellen, die, so erfährt er, auf der Motorhaube eines Buick mit Holzverkleidung gelandet ist. Der gehört dem jungen Ehepaar Sam (Chris Hemsworth, „Star Trek“) und Leslie Phelan (Victoria Profeta), die einen Teil des unverhofften Geldsegens natürlich gleich ausgeben.

Auf der Wunschliste des Paares steht auch ein neues Auto, das natürlich bar gezahlt wird. Allein dieser Anhaltspunkt genügt Pyke, um die beiden aufzuspüren. Er nistet sich bei den Phelans ein, die zwar perplex scheinen, allen voran aber sichtlich verunsichert wirken. In ruhigem Befehlston macht der Eindringling unmissverständlich klar, dass er das Geld bis auf den letzten Cent zurück haben will. Beim Jonglieren mit Zahlen und Geldbeträgen offenbart der Verbrecher großes Geschick und ringt mit Fachkenntnis selbst den verhassten Kundenberater bei der Bank des Paares nieder, um den beiden einen Kredit zu verschaffen. Der Unterschied zwischen Gangstern und Bankern ist in „Ca$h“ eben verschwindend gering.

Eric Besnard, Co-Autor von „Babylon A.D.“, rückt solch satirische Seitenhiebe jedoch nicht in den Vordergrund. Sie sind die Würze eines schwarzhumorigen Thrillers, der im besten Sinne altmodisch daher kommt. Die Geschichte könnte auch aus den 70´s stammen und statt des sehenswert abgründigen Bean Haudegen wie Charles Bronson oder Lee Marvin auffahren. Angenehm unspektakulär erzählt Besnard den Plot aus, lässt Pyke die vegetarischen Eheleute mit der Forderung nach Fleischzubereitung piesacken und sie letztlich gar zu Überfällen auf kleine Geschäfte nötigen, um die Beute zu komplettieren. Etwas uneins wandelt der Film zwischen den Genres und birgt inklusive der pointierten Schlusssequenz auch nicht zwingend großes Überraschungspotential. Doch die schnörkellose Umsetzung gefällt ebenso wie ihre ironische Handhabung. Eine sehenswerte Verleihpremiere.

Wertung: (7 / 10)

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