Cabin Fever 2: Spring Fever (USA 2009)

cabinfever2In Zeiten des Internet ist die Verbreitung der eigenen Meinung leichter denn je. Entsprechend simpel lassen sich individuellen Ärgernissen – wahlweise aber natürlich auch lobenden Worten – Luft machen. Das Stänkern scheint in der digitalen Welt allerdings den größeren Spaß zu machen. Man ist ja schließlich anonym. Für den Diskurs über Filme, gerade solchen aus dem Horror-Segment, bedeutet das Web einen Quantensprung. Die Nerds haben ihre Foren, ihre Plattformen – nicht zu vergessen ihre Fanzines – und müssen, von der nächsten ranzigen DVD-Börse abgesehen, zur Absonderung ihrer Wortmeldungen nicht einmal mehr das Haus verlassen.

In dieser vom männlichen Geschlecht dominierten Szenerie hat es sich eingebürgert gewisse Titel beinahe einhellig zu verreißen. Ein solcher ist auch „Cabin Fever 2: Spring Fever“, der, wenn man dem Rauschen im digitalen Blätterwald glauben mag, einen der schlechtesten Filme aller Zeiten stellen müsste. Worin aber liegt dieser negierende Beinahe-Konsens der Zielgruppe begründet? Allein die hohe Erwartungshaltung kann es nicht sein. Schon das gelungene Original verfügt nicht gerade über den Status eines hochgeschätzten Genrestücks. Der erfahrene Filmfreund sollte demnach eigentlich wissen, was ihn erwartet.

Dass die Gefahr des fleischfressenden Virus nicht gebannt ist, offenbarte in Form einer kontaminierten Wasserlieferung bereits das grimmige Finale des Vorläufers. Das von Ti West („The House of the Devil“) gedrehte Sequel knüpft nahtlos daran an und lässt gleich zum Auftakt den sichtlich angeschlagenen Rider Strong („Borderland“) als Überlebenden des ersten Teils Körpersegmente in der Botanik verteilen. Zumindest bis er auf einer nahen Straße von einem Schulbus erfasst und – auch zum Erstaunen des bekannten Deputy-Kauzes Winston (Giuseppe Andrews, „2001 Maniacs“) – in Fetzen gerissen wird. Bei solch vollem Körpereinsatz ist die Erstnennung in der Besetzungsliste dann auch vollauf gerechtfertigt!

Den Bogen vollendet der animierte Vorspann, der besagten Getränketransport jene Schule ansteuern lässt, die auch der Bus zum Ziel hat. Bevor sich dort aber die ersten Verschleißerscheinungen bemerkbar machen und das Militär ohne Rücksicht mit der rigorosen Ausmerzung der Infizierten beginnt, wird eine betont klischeehafte Riege problembelasteter Pennäler aufgefahren. Ausgerechnet am Abend des Abschlussballs nimmt das Grauen seinen Lauf. Während sich Lehrer und Schüler in blutigem Gekotze elendig auflösen, versuchen John (Noah Segan, „Brick“) und seine Flamme Cassie (Alexi Wasser, „Growth“) der Katastrophe zu entrinnen.

Zu bemängeln ist neben der unzusammenhängenden Erzählweise sicher die atmosphärische Armut. Stoßen kann man sich auch an der humoristischen Albernheit, die aber genauso gut ehrerbietendes Kalkül sein könnte. Denn West zollt offenkundig den Achtzigern Tribut und zieht das enthemmte Blutbad mit seinen ironisiert übersteigerten Ekelszenen als durchaus launige Mischung aus „Porkys“ und „Elmer“ auf. So gibt es nackte Haut, offene Körper, einen in Großaufnahme eiternden Pillemann sowie eine per Tischsäge vorgenommene Handamputation. Dazu darf der rachsüchtige Hausmeister blutig in die Bowle pissen und die Ausbreitung des Virus beschleunigen. Das absehbare Ende, wiederum als Trickfilm serviert, macht eine weitere Fortsetzung fast unumgänglich. Sofern die Hasstiraden der Internet-Community schadlos an den Produzenten vorübergehen!

Wertung: (5 / 10)

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