Bunny and the Bull (GB 2009)

bunny-and-the-bullDie Erhabenheit der Weinerlichkeit: Mit „Bunny and the Bull“ präsentiert Paul King ein visuell überwältigendes Road Movie, das lakonische Genrestandards mit britischer Skurrilität überrumpelt. Der Theater- und Fernseh-Regisseur, der mit der Kult-Britcom „The Mighty Boosh“ ein Highlight der modernen Unterhaltungskultur vorlegte, orientiert sich in Optik und Ausstattung eng am überschwänglich grotesken Boosh-Kosmos und fährt dessen Urheber Noel Fielding und Julian Barratt (sowie „Gareth Marenghi’s Darkplace“-Schöpfer Richard Ayoade) als illustre Gaststars auf.

In den Hauptrollen agieren Edward Hogg und Simon Farnaby, die sich in Cameos auch bereits in „The Mighty Boosh“ tummelten. Hogg spielt Stephen Turnbull, einen jungen Agoraphobiker, der sein Heim, so berichtet der einleitende Erzähler, seit einem Jahr nicht mehr verlassen hat. In rituellen Trotts hat er sich eingerichtet und begeht jeden Tag exakt wie den vorangegangenen. 27 Minuten duschen, 4 Minuten Zähneputzen, weitere 8 gurgeln und noch mal 7 mit Zahnseide nachbessern. Danach wird die Zahnseide archiviert, eine Urinprobe eingelagert und deren PH-Wert notiert.

Unverhofft aus seiner lähmenden Routine gerissen wird er, als Mäuse seine eingelagerten Vorräte anknabbern und seine Erinnerung durch eine telefonische Bestellung beim schäbigen Fischrestaurant Captain Crab (mit der Stimme von „Mighty Boosh“-Regularie Rich Fulcher) angeregt wird. Plötzlich scheint der häusliche Eremit gezwungen, sich mit jenen Geschehnissen zu konfrontieren, die ihn in seinen lethargischen Zustand versetzt haben. Und so erzählt King in Rückblenden von einer Europareise, bei der der streng rationale Stephen von seinem besten Freund Bunny (Farnaby), einem extrovertierten wettsüchtigen Freigeist, an seine Grenzen geführt wird.

Der ebenso melancholische wie aberwitzige Road Trip führt in eleganten Übergängen durch Zeitungsauschnitte, Schneekugeln und Trickfilmhintergründe. Die surreale Weltsicht führt das Duo mit der Bekanntschaft von Kellnerin Eloise (Verónica Echegui) nach Spanien. Auf ihrem spontanen Weg ins Ungewisse entwickelt sich eine chaotische Dreiecksbeziehung, die von der Begegnung mit einem kauzigen Hunde-liebenden Tramp (Barratt) und Eloises Stierkampf-verrücktem Bruder (Fielding) geprägt sind. Während Stephen in der isolierten Gegenwart von Halluzinationen heimgesucht wird, erschließt sich dem Zuschauer allmählich der Grund für den Zusammenbruch.

Das eigensinnige visuelle Konzept liegt so weit abseits der Realität verortet, dass sich rein Mainstream-geeichte Publikumsteile ob der kunstvoll verschrobenen Andersartigkeit buchstäblich im falschen Film wähnen könnten. Doch ist „Bunny and the Bull“ bei allem Übermut und aller Überzeichnung von Kulissen und Figuren ein wunderbar rührendes Werk über Liebe und Freundschaft. Wertschätzer des britischen Humorverständnisses dürften an diesem exzentrischen, rastlos und doch ohne Hast gespannten Bilderbogen, ihre helle Freude haben. Und das auch ungeachtet der hilfreichen Vorbildung durch „The Mighty Boosh“.

Wertung: (8 / 10)

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