Bullet – Auge um Auge (USA 1996)

bullet-auge-um-auge„Payback’s a motherfucker!“ – Nur selten ein Mann der klaren Worte: Louis

„Auge um Auge“, der deutsche Untertitel des US-Gangster-Dramas „Bullet“ passt. Wie die Faust aufs sprichwörtliche… Ach lassen wir das. Aber ein Auge ist es doch, das Anlass für Stänkerei und Bandenkrieg gibt. Frisch aus dem Knast entlassen, hat der muskelbepackte jüdische Junkie Butch ‘Bullet’ Stein (Mickey Rourke, „Barfly“) nichts Besseres zu tun als gleich wieder kriminellen Neigungen zu frönen. Doch die Erleichterung zweier Schnösel um Kleidung und Bargeld bringt einen vorlauten Messerstecher auf den Plan, dem Butch die Klinge kurzerhand ins Auge rammt. Dabei hatte der Ex-Knacki, behauptet zumindest seine Mutter, früher doch so viel Potential.

Diese fast schon absurd brutale Sequenz ist der Startschuss für eine bemüht tiefsinnige Reise in soziale Abgründe und illusionslose Milieus. Mit Freund Lester (John Enos III, „Makellos“) und Bruder Ruby (Oscar-Preisträger Adrien Brody, „Der Pianist“), einem talentierten Maler, streift Butch durch New York. Der ewig besoffene Vater kann über die Nichtsnutzigkeit seiner Sprösslinge nur klagen, schließlich ist der dritte Sohn Louis (Ted Levine, „Monk“) ein Waffennarr mit Kriegsmacke. Das schwarze Schaf ist und bleibt aber Mamis Liebling Butch, mit dem Drogendealer Tank (Tupac Shakur, „Gridlock’d“) noch eine Rechnung zu begleichen hat.

Aber zwischen Drogenkonsum, Hehlerei und hochtrabenden Reflexionen über das Leben am Rand der Gesellschaft bewegt sich nicht viel in Julien Temples („Joe Strummer: The Future is Unwritten“) angestrengt ernsthaftem Film. Der Tenor ist nachdenklich gestimmt und die Nebenrollen mit Brody und Levine gut besetzt. Nur reibt sich die oft erzählte Mär vom Scheitern an der zwangsläufigen Konsequenz seines bitteren Finals auf. So tiefschürfend Dialoge und Bildfolgen des in einsamer Zurückgezogenheit Fixen setzenden Rourke auch angedacht waren, er und sein Umfeld bedienen in der Hauptsache doch nur eine Abwärtsspirale der Vorhersehbarkeit.

Immerhin verzichtet Temple auf gestelzte Actioneinlagen und bedient sich Gewalt nicht als Mittel mannhafter Legitimation. Die raue Atmosphäre und das durchaus glaubhafte Milieu (sieht man mal von der dick aufgetragenen Charakterzeichnung Louis’ ab) machen den von Rourke auch co-verfassten Film sehenswert. Dramaturgisch jedoch bleibt das Geschehen flach. Zwar werden Klischees, auch durch den Verzicht der Beleuchtung von Butchs und Tanks gemeinsamer Vergangenheit – von der körperlichen Versehrtheit des Augenklappe tragenden Dealers abgesehen –, ausgespart. Etwas stringenter hätte das trostlose Drama aber letztlich doch umgesetzt werden können.

Wertung: (5 / 10)

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