Buffalo Soldiers – Army Go Home! (USA/GB/D 2001)

buffalo-soldiers-army-go-homeEs fällt nicht schwer, sich in den Gemütszustand eines in Deutschland stationierten US-Soldaten zur Zeit des Falles der Berliner Mauer hineinzuversetzen. Im Rücken die tief im Bewusstsein verankerte Schmach des Vietnam-Krirges, vor Augen den Zerfall der Sowjetunion und das damit verbundene Ende des Kalten Krieges. Was also bleibt der geschundenen amerikanischen Seele fernab der Heimat, ohne Feindbilder und Perspektiven? Die bitterböse Militär-Groteske „Buffalo Soldiers“, eine Verfilmung des großartigen Romans gleichen Namens von Robert O‘Connor, zeigt sich bemüht, auf diese Frage eine unkonventionelle wie ungeschönte Antwort zu geben.

Denn auf dem nahe Mannheim gelegenen Armeestützpunkt der 57. Bataillon gilt Frieden im Jahre 1989 lediglich als die legitimierte Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Das Leben auf der Basis kommt einem schieren Drahtseilakt gleich, beherrscht wird die Szenerie von offenem Rassismus, blühendem Drogenhandel, Gewalt und Hehlerei. Inmitten dieses lodernden Schmelztiegels steht der sonderbar aufrechte Kompanieschreiber Ray Elwood (Joaquin Phoenix, „Gladiator“), der sich im Gefolge des einfältigen Lagerkommandanten Berman (Ed Harris, „Pollock“) ein sorgenfreies Leben gestaltet. Um sich fortwährende finanzielle Unabhängigkeit zu gewährleisten, dealt Elwood mit Heroin und betreibt nebenbei einen florierenden Markt für unrechtmäßig erworbene Waren aller Art.

Doch plötzlich taucht ein neuer Spieß auf, der beinharte Vietnamveteran Sgt. Lee (Scott Glenn, „Absolute Power“), der es sich auf die Fahne geschrieben zu haben scheint, Rays kriminelle Machenschaften zu durchkreuzen und den Willen des jungen Soldaten um jeden Preis zu brechen. Um seinen neu aufgetanen Widersacher noch mehr gegen sich aufzubringen, beginnt Elwood eine Beziehung mit dessen Tochter Robyn (Anna Paquin, „Das Piano“). Doch im ständig wechselnden Machtgefüge der Kriminellen Army-Angehörigen und der schonungslosen Überlegenheit Lees läuft die Sache allmählich aus dem Ruder und gipfelt letztlich in eine Katastrophe.

Mit britischen und deutschen Geldern finanziert, mit namhaften amerikanischen Darstellern besetzt, auf deutschem Boden gedreht und von einem australischen Regisseur inszeniert, erlebte „Buffalo Soldiers“ seine Weltpremiere am 9. September 2001 in Toronto. Doch sorgte die Tragödie des 11. September für das vorzeitige Verschwinden des Filmes aus dem amerikanischen Bewusstsein, der offen zur Schau gestellte Anti-Militarismus genügte dem Patriotismus in Medien, Politik und Bevölkerung einfach nicht. Und so verschwand der Film in der Versenkung und erlebte zumindest in Europa seine Aufführung, obgleich hierzulande unter dem Titel „Army Go Home!“.

Auf dem diesjährigen Sundance Festival wurde erneut der Versuch unternommen, dem amerikanischen Publikum „Buffalo Soldiers“ näher zu bringen. Doch mündete auch dieses Unterfangen in den Eklat einer völlig verpatzten Pressekonferenz. Dem Film selbst wird dieser Rummel indes kaum gerecht, denn worüber Amerika sich pikiert zeigt, entlockt hierzulande garantiert niemandem Worte des Unverständnisses. Wohltuend nah an der Vorlage sperrt Regisseur Gregor Jordan („Ned Kelly“) aus nachvollziehbar kommerziellen Gründen den konsequent bitteren und stetig bedrückenden Grundton des Buches aus, das nihilistische Finale leider mit eingeschlossen. Somit halten sich die zahlreichen exzessiven Handlungsschnipsel in der Tradition von „Trainspotting“ zwar in Grenzen, doch genügt der übernommene Torso der Geschichte noch immer für eine mitunter tragikomische Militärfarce.

Dafür tragen vor allem die munter agierenden Darsteller (darunter auch Dean Stockwell, „Air Force One“) Sorge, allen voran der charismatische Joaquin Phoenix und der fast beängstigend gute Ed Harris. Somit ist „Buffalo Soldiers“ eine zu Unrecht kaum beachtete Mixtur aus galligem Drama und ätzender Satire, die obendrein einen der besten Independent-Filme der letzten Jahre stellt. Ob sich die fällige Würdigung der hier aufgezeigten Dekonstruktion stumpfer wie stupider Armeetraditionen in Übersee in einer Ära nach Kriegstribun George W. Bush noch einzustellen vermag, bleibt indes nicht nur abzuwarten, sondern auch massiv anzuzweifeln.

Wertung: (7,5 / 10)

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