Bruiser (USA/CAN/F 2001)

bruiserEinst schuf George A. Romero stilbildende Werke und prägte mit seinen allegorischen Zombie-Streifen eine ganze Kinogeneration. Dass Romeros Untoten-Trilogie, 1968 mit „Night of the Living Dead” begonnen und mit „Dawn of the Dead” (1978) und „Day of the Dead” (1985) fortgesetzt, weltweit Kultstatus besitzt, spricht lediglich für das Schaffen des kontroversen Filmemachers. Dessen letzter Kinofilm „Stark”, eine Umsetzung des Stephen King Romans „The Dark Half”, liegt nunmehr auch schon neun Jahre zurück. So wurde es still um Romero, der in der Folgezeit zwar mehrfach für das amerikanische Fernsehen arbeitete, sich sonst aber mehr und mehr vom Filmgeschäft zurückzog.

Auf sich aufmerksam machte der Ziehvater des Splatters erst wieder, als er 1997 für Capcom einen aufwendigen Trailer für die Fortsetzung des erfolgreichen Computerspieles „Resident Evil” inszenierte. Wann immer danach auch von der geplanten Adaption des Themas für einen Kinofilm die Rede war, fiel der Name Romero, der den Regie-Posten auf Wunsch der Geldgeber, darunter auch der deutsche Erfolgsproduzent Bernd Eichinger, letztendlich aber an Paul Anderson verlor. Doch trotz des Ausscheidens aus diesem Projekt hatte die Filmindustrie Romero wieder. Dieser vertiefte sich dann auch nach kurzer Verschnaufpause unverzüglich in eine neue Idee und inszenierte 2001 nach eigenem Drehbuch den nun bei uns auf Video und DVD veröffentlichten „Bruiser”.

Den Schwerpunkt des Horror-Thrillers bildet allerdings nicht eine Horde Untoter, sondern vielmehr die mörderische Identitätssuche eines Duckmäusers. Der trägt den Namen Henry Creedlow (Jason Flemyng, „From Hell”), fristet sein Dasein als kleiner Angestellter in einem Verlagshaus und nimmt in seiner angepassten Art einfach hin, dass auf seinem mangelnden Selbstbewusstsein herumgetrampelt wird. Von seinem sexistischen Boss Milo Stiles (Peter Stormare, „Fargo”) als Fußabtreter benutzt, von seinem besten Freund hintergangen, von seiner Gattin betrogen und sogar von seiner Putzfrau bestohlen, ist Henry einen identitätsloser Niemand. Doch eines Morgens erwacht dieser Mann ohne Gesicht ohne erkennbares Antlitz, dafür mit einer konturlosen weißen Maske als Spiegelbild seiner rückgratlosen Existenz. Als der anfängliche Schrecken verflogen ist, erkennt der gescholtene Henry die Vorteile der neu gewonnenen Anonymität und nutzt diese als Sprungbrett für einen gnadenlosen Rachefeldzug.

Romero setzt mit „Bruiser” nicht auf die verstrickte Subtilität eines David Lynch oder das verwurzelte Monster in der menschlichen Psyche wie David Cronenberg, sondern vielmehr auf kompromisslosen Horror der schnörkellosen Art. Dabei zeigt der heute 62-jährige, dass er in den Jahren der Abstinenz nichts von seinem Können eingebüßt hat. Zwar kann sein jüngstes Werk nicht mit vergangenen Filmen mithalten, bietet aber immerhin solide und ansehnlich in Szene gesetzte Horror-Kost. Nicht wirklich aufregend und spektakulär, aber durchweg zufriedenstellend. Dies untermauert auch die überzeugende Besetzung, die auch Leslie Hope („Talk Radio”) und Tom Atkins („Maniac Cop”) umfasst. Im Zuge des sehenswerten Finales kommen noch die Alt-Punker der Misfits zu Ehren eines Gastauftritts, während die End-Credits überraschenderweise vom „Take On Me”-Cover der Deutsch-Punks Wohlstandskinder eingeläutet werden. Genrefans werden mit „Bruiser” sicherlich ordentlich bedient. Kein großer Wurf, dafür aber eine souveräne Fingerübung eines Meisters seines Fachs.

Wertung: (6 / 10)

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