Bruce Allmächtig (USA 2003)

bruce-allmaechtigEs ist nicht leicht ein Gott zu sein…

So sehr sich Komödien-Superstar Jim Carrey („Die Maske“) in der jüngeren Vergangenheit auch um ernsthafte Zwischentöne bei der Auswahl seiner Rollen bemüht zeigte, Ausflüge ins Charakterfach (u.a. „The Majestic“) fielen in der Gunst des Publikums weitgehend durch. Einzig „Die Truman Show“ vermochte einen größeren Achtungserfolg im Bestreben kontinuierlicher Wandlungsfähigkeit des Mimen zu markieren. Allerdings bleibt die seichte Unterhaltung noch immer Carreys erfolgsverwöhntes Steckenpferd. Neuester Beweis dafür bildet „Bruce Allmächtig“, den das passagenweise wirklich urkomische Gummigesicht mit einem Einspielergebnis von 242,5 Millionen Dollar allein in den USA zu einem der ertragreichsten Filme des unlängst vergangenen Jahres 2003 führte.

Bruce Nolan (Carrey), ein ambitionierter New Yorker Fernsehreporter, lebt ein zufriedenstellendes Leben und weiß mit Grace (Jennifer Aniston, „She’s the One“) darüber hinaus eine bezaubernde wie intelligente Freundin an seiner Seite. Doch zeigt sich der aufbrausende Nörgler wenig dankbar für sein reichhaltiges Dasein und verunglimpft nach einem desaströsen Arbeitstag den Allmächtigen höchstpersönlich für seine Misere. Und fürwahr, Gott (Morgan Freeman, „Erbarmungslos“) zeigt ein offenes Ohr für die Probleme seines Schäfchens und stattet den völlig verdutzten Bruce für den Zeitraum einer Woche mit wahrhaft göttlichen Fähigkeiten aus. Doch anstatt die ihm gewährten Kräfte sinnvoll einzusetzen, bettet der Aushilfsgott viel lieber Eigensinn und Egoismus ein gemütliches Lager.

So werden kurzerhand Graces Brüste vergrößert und der wenig stubenreine Hund zum toilettenbenutzenden Zeitungsleser umfunktioniert. Nebenbei wird noch der prachtvolle Mond ein wenig in die Nähe der Erde gerückt, um einem romantischen Abend in trauter Zweisamkeit den entscheidenden Feinschliff zu verleihen. Nicht ahnend, dass seine harmlos erscheinenden Eskapaden fatale Folgen für das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur mit sich bringen, stürzt sich Bruce mit kindlicher Naivität von einem schnellen Vergnügen in das nächste. Doch werden die mit seiner Verantwortung übertragenden Pflichten schon bald schmerzlicher in sein Gedächtnis getrieben, als es Bruce lieb sein könnte.

Die von Regisseur Tom Shadyac („Der Dummschwätzer“) flott inszenierte und zudem co-produzierte Komödie zeigt sich offenkundig inspiriert von den wohlig moralingetränkten Werken eines Frank Capra. Hauptdarsteller Jim Carrey wird dabei ausreichend Raum geboten, um seine Qualitäten als Alleinunterhalter unter Beweis zu stellen. Das muntere Ergebnis dieses Erfolgsrezeptes ist erwartungsgemäß kurzweilig und politisch korrekt, hält am Bodensatz dieses stereotypen Schablonenkinos aber keinerlei Überraschungen bereit. So erweist sich Morgan Freeman zwischen Warmherzigkeit und strahlend weißen Anzügen denn auch als das wahre Highlight. Zudem spielte er fünf Jahre zuvor in „Deep Impact“ bereits den Präsidenten der Vereinigten Staaten, da liegt die Berufung in göttlichere Sphären doch im Grunde auf der Hand!

Neben Jennifer Aniston werden auch Philip Baker Hall („Magnolia“) und Steve Carell („Anchorman”) ins recht klamme Korsett des Filmes geschnürt, um Jim Carrey wenigstens in Bezug auf darstellerische Ausdruckskraft ins ausgewogene Gleichgewicht zu rücken. Was am Ende bleibt, ist nicht weniger als die versöhnliche Erkenntnis, dass jedes von Gott geschaffene Individuum sein Schicksal doch besser in die eigenen Hände nehmen möge, klinisch sauber und steril verpackt in jugendfreie Albernheiten fernab jeglicher Lästerungen des heiligen Geistes. So entlässt „Bruce Allmächtig“ den Zuschauer gut gelaunt in die heile Welt bonbonbunter Glückseligkeit und schürt zumindest für einen flüchtigen Augenblick den Glauben an eine Welt der Harmonie und Ausgewogenheit.

Wertung: (6 / 10)

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