Brothers (USA 2009)

brothers-2009US-amerikanische Remakes müssen sich zwangsläufig an ihren Originalen messen lassen. Dass internationale Erfolgsfilme nicht synchronisiert, sondern für den weltgrößten Markt einfach neu verfilmt werden, ist zu einem lukrativen Standbein Hollywoods geworden. Nicht, dass den Drehbuchautoren partout nichts anderes einfallen würde, aber die Studios investieren lieber in bewährte oder sichere Gewinne verheißende Projekte. Im Falle von „Brothers“ ist es das dänische Drama „Brødre“, in dem Susanne Bier eine Familie durch den zehrenden Kreislauf von Verlust, Einsamkeit und Schuld trieb. Nur kann die von Jim Sheridan („Im Namen des Vaters“) gedrehte Neuverfilmung mit der brillanten Vorlage nicht mithalten.

Das liegt auch, aber nicht ausschließlich, am streng abgetrennten amerikanischen Milieu. US-Flaggen und Militärsymbole grenzen die Gültigkeit ein. Es geht nicht länger um irgendeine Familie und irgendeinen Krieg. Der Handlungsort erhält größere Bedeutung. Für die Vergegenwärtigung der Traumata nach 9/11 und Irak-Krieg scheint das unabdingbar. Das nächste Kapitel heißt Afghanistan. Dorthin wird auch Berufssoldat Sam („Spider-Man“ Tobey Maguire) berufen. Sein letzter Tag in der Heimat ist zugleich der erste seines Bruders Tommy (Jake Gyllenhaal, „Brokeback Mountain“) in Freiheit. Er ist das schwarze Schaf der Familie und hat wegen eines Banküberfalls mehrere Jahre im Gefängnis gesessen.

Der Vater (Sam Shepard, „Don’t Come Knocking“), selbst ehemaliger Soldat, macht keinen Hehl daraus, auf welchen Sohn er größere Stücke hält. Als Sams Hubschrauber während eines Einsatzes in der Fremde abgeschossen wird, erhält seine Frau Grace (Natalie Portman, „Black Swan“) die Nachricht, ihr Gatte sei gefallen. Für sie, die beiden gemeinsamen Kinder und auch Tommy bricht die Welt auseinander. Vor allem Tommy bemüht sich fortan, die Lücke zu schließen und für die Familie des Bruders Verantwortung zu übernehmen. Dabei kommen sich er und Grace langsam näher. Doch Sam ist nicht tot, sondern geriet in Gefangenschaft. Um sein eigenes Leben zu retten, wird er von den Taliban zu einer Tat gezwungen, die ihn nach seiner Befreiung und Heimkehr psychisch zerrüttet.

Die vage Skizzierung des Originals weicht einem klar herausgearbeiteten Rahmen, bei dem Freund, Feind und Nation ein deutliches Profil erhalten. Diese simplifizierende und sehr amerikanische Betrachtungsweise rüttelt nicht grundlegend an der Intention, schränkt aber sehr wohl ihre Gemeingültigkeit ein. Das Trauma wird zum US-Problem, repräsentiert durch eine Familie, deren renovierte Küche sich zum Sinnbild des Wandels entwickelt. Nach seiner Heimkehr isoliert sich Sam in einer Welt des Schmerzes, deren Entladung die Familie zu zerbrechen droht. Die Darsteller überzeugen, wenn Natalie Portman im Zusammenspiel mit den beeindruckend aufspielenden Filmpartnern auch nicht die Kraft entwickelt, die die famose Connie Nielsen in Biers Version offenbarte. Dort liegt letztlich auch der Schwachpunkt von „Brothers“, der als fast konventionelles Drama die emotionale Wucht seines Originals zu oft vermissen lässt.

Wertung: (6 / 10)

 

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