Brotherhood – Taegukgi hwinalrimyeo (ROK 2004)

brotherhood-taegukgiDie Filmindustrie Koreas hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt, an dessen Spitze sicherlich Chan-Wook Park steht, der mit international gefeierten Filmen wie „Sympathy for Mr. Vengeance“ oder „Oldboy“ für positive Schlagzeilen sorgte. Auch Je-Gyu Kang konnte über die heimischen Grenzen für Aufsehen sorgen. Einerseits mit seinem 1999 gedrehten „Shiri“, andererseits mit „The Legend of the Evil Lake“. Bereits vor zwei Jahren drehte er das Kriegsdrama „Brotherhood“ (Original: „Taegukgi hwinalrimyeo”), welches überraschenderweise jetzt Einzug in die deutschen Kinos hält.

Südkorea im Jahre 1950: Die beiden aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Brüder Jin-Tae (Dong-Kun Jang) und Jin-Seok (Bin Wan) verloren früh ihren Vater, was sie nur noch mehr zusammenschweißte. Der Ältere – Jin-Tae – hat inoffiziell die Vaterrolle übernommen und verdient zudem den Lebensunterhalt für sich, seinen Bruder und ihre Mutter. Als der Krieg ausbricht, werden beide Brüder ohne ihr Einverständnis rekrutiert und finden sich an der Front wieder. Jin-Tae hat nur einen Wunsch, seinen Bruder schnellstmöglich lebend nach Hause zu bringen. Seine Vorgesetzten kommen dem jedoch nicht nach, erst nachdem Jin-Tae für sie einige Spezialeinsätze durchgeführt hat, soll sein Bruder unversehrt nach Hause kommen. Jin-Tae willigt ein und schont während der zahlreichen Einsätze weder den Feind, eigene Männer noch sich selbst. Der weichere Jin-Seok kann seinen Bruder nicht verstehen, was zwangsläufig zu Spannungen zwischen ihnen führt.

Mit „Brotherhood“ gelingt es Regisseur Je-Gyu Kang beinahe spielend, so ziemlich alle Hollywood-Kriegsfilme der letzten Jahre hinter sich zu lassen. Er verzichtet bewusst auf überschwänglichen Patriotismus und Pathos, sondern versucht vielmehr keine der beiden Kriegsparteien irgendwie hervorzuheben bzw. schlechter wegkommen zu lassen. Gerade mit seiner Heimat Südkorea geht der Filmemacher nicht immer zimperlich um. Ein Umstand, der in Hollywood wohl undenkbar wäre. Vergleiche mit Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ werden zwangsläufig aufkommen, geht es auch hier nicht um Heldentum an sich, sondern menschliche Schicksale inmitten unzähliger Kriegsgräuel stehen im Vordergrund. Wie in Spielbergs Kriegsdrama, so wird auch in „Brotherhood“ das im Krieg Erlebte über mehrere Jahrzehnte in die Gegenwart transportiert. Hier ist es einer der Brüder, der auf ehemaligen Schlachtfeldern nach Überresten seines verschollenen Bruders sucht.

Obwohl das Budget mit umgerechnet knapp 13 Mio. US-Dollar im Vergleich mit einer durchschnittlichen Hollywood-Produktion relativ gering ausfiel, nutzte Je-Gyu Kang jeden einzelnen Cent für opulent ausgerichtete Schlachten, die von ihrer Intensität Vergleiche mit amerikanischen Produktionen nicht scheuen müssen. Dabei wird auf eine möglichst realitätstreue Darstellung des Krieges mitnichten verzichtet. Krieg ist abstoßend, genau dies wird in den zahlreichen und blutigen Gefechten eindrucksvoll bewiesen. Durchsiebte Menschen, aufplatzende Körper oder abgetrennte Gliedmaßen gehören zum Kriegsalltag, dem Zuschauer werden diese schonungslos präsentiert.

Im Mittelpunkt steht jedoch nicht die Darstellung des Krieges an sich, sondern der Familiengedanke, Zusammenhalt und die Bereitschaft der Aufopferung. Der Krieg ist lediglich das, was das Land und auch die Familie spaltet. Insofern ist „Brotherhood“ einem „Der Soldat James Ryan“ nicht nur ebenbürtig, sondern auch realistischer und zudem packender. Die Darsteller vermögen durchweg zu überzeugen, vor allem das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren Jang Dong-Kun („2009 Lost Memories“) und Bin Won („Guns & Talks“) funktioniert und inmitten des Chaos kann man ihre Entwicklungen durchweg nachvollziehen.

Mit einer Laufzeit von zweieinhalb Stunden ist „Brotherhood“ kein kurzweiliges Vergnügen, die Thematik und Darstellung tut ihr übriges dazu. Das epochale Werk ist in vielen Szenen abstoßend, hinterlässt aber dennoch immer einen kleinen Funken Hoffnung. Auch wenn der Film gegen Ende im Bruderzwist ein wenig zu dick aufträgt, so hat man es hier dennoch mit einem überzeugenden Kriegsdrama zu tun, bei dem die bittere Action als auch die Geschichte stimmt.

Wertung: (8,5 / 10)

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