Broadchurch (Series 2) (GB 2015)

broadchurch-series-2Der Schock am Ende der ersten „Broadchurch“-Staffel saß tief. Joe Miller (Matthew Gravelle), der Mann von Polizistin Ellie (Olivia Colman), wurde als Mörder des 11-jährigen Danny Latimer überführt. Der Fall schien klar. Lediglich die gravierenden Auswirkungen auf die Protagonisten, insbesondere Dannys Eltern Beth (Jodie Whittaker) und Mark (Andrew Buchan) sowie Ellie und Sohn Tom (Adam Wilson), waren kaum auszumachen. In der wiederum achtteiligen Fortsetzung treibt Serienschöpfer Chris Chibnall („Doctor Who“) die Zerrüttung der titelgebenden Gemeinde an der beschaulichen englischen Südküste auf die Spitze. Denn vor Gericht verschlingt der Zerfleischungsprozess auch die letzten unbescholtenen Betroffenen.

Dabei müsste es eigentlich gar nicht so weit kommen. Doch Joe, der im Gefängnis einzig vom pflichtschuldigen Priester Paul Coates (Arthur Darvill) besucht wird, plädiert auf Freispruch. Das macht ein Verfahren erforderlich, das den Fall in seiner gesamten emotionalen Dimensionierung neuerlich aufrollt und sämtliche Figuren wieder zusammenbringt. Das allein reicht jedoch nicht, um die Spannung hoch zu halten. Also gerät DI Alec Hardy (übernahm auch im US-Remake „Gracepoint“ die Hauptrolle: David Tennant) ins Zentrum eines Handlungsstrangs, der die wahren Gründe für seinen Umzug nach Broadchurch enthüllt und den gescheiterten Sandbrook-Fall neu aufrollt, dessen unrühmlicher Ausgang seine Reputation (und sein Gemüt) schwer belastet.

In der Abgeschiedenheit versteckt er Claire Riplay (Eve Myles), die Freundin des seinerzeit Hauptverdächtigen Lee Ashworth (James D‘Arcy). Er soll ein Mädchen ermordet haben und auch für das spurlose Verschwinden ihrer Cousine verantwortlich sein. Als Ashworth in der Kleinstadt auftaucht, wird Hardy zum Handeln gezwungen. Bei der verdeckten Wiederaufrollung des Falles steht ihm nur Ellie zur Seite, die für jede Ablenkung vom zermürbenden Gerichtsprozess dankbar scheint. Nicht zuletzt, da die gegen Joe gesammelten Beweise von Anwältin Sharon Bishop (Marianne Jean-Baptiste, „RoboCop“) angezweifelt werden. Daraus entspinnt sich ein verbissen geführter Rechtsstreit zwischen ihr und Staatsanwältin Jocelyn Knight (Charlotte Rampling, „Swimming Pool“).

Die Anknüpfung an den ungelösten Sandbrook-Mord wirkt insgesamt konstruiert, mindert aber nicht die anhaltende Klasse des Formats. Die famose Darstellerriege, sehenswert unterstützt von Garde-Aktrice Charlotte Rampling, und die detaillierten Charakterzeichnungen machen das bittere Thriller-Drama auch in zweiter Instanz zum TV-Highlight. Die Frage nach Schuld oder Unschuld wird hier einzig an der Beweisbarkeit festgemacht. So wird der packend erzählte Gerichtsprozess auch für den um die Vorgeschichte wissenden Zuschauer zur Tortur. Frei von Schuld sind in Broadchurch (und Sandbrook) ohnehin nur die wenigsten Beteiligten.

Wertung: (8,5 / 10)

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