Brigade S. – Menschenverachtende Untergrundmusik (2005, Teenage Rebel Records)

brigade-s-menschenverachtende-untergrundmsik„Wir sind bloß vier Jungs. Wir scheißen aufs Geld. Wir spielen den Punkrock so, wie er uns gefällt.“ – ‘Zu extrem’

Punkrock darf dreckig sein, sich in minderes Soundgewand kleiden und mit Konventionen brechen. „Menschenverachtende Untergrundmusik“, das zweite Album der Ruhrpott-Oi!-Fraktion BRIGADE S. erfüllt all diese Attribute mit Leichtigkeit. Trotzdem wirkt ihre Platte über weite Strecken wie die Pflege platter Prollo-Attitüden. Was also ist schief gelaufen?

Die Instrumentierung ist durchschnittlich, was weder verblüfft, noch ins Gewicht fällt. Die Texte sind dürftig und bedienen beliebte Themenpunkte wie Ficken, den Kohlenpott und Alkohol. „Menschenverachtende Untergrundmusik“ – im übrigen nach Funny van Dannen – orientiert sich deutlich an artverwandten Bands wie LOKALMATADORE oder DIE KASSIERER. Die in schlesischem Dialekt angestimmte Coverversion „Lokalny Matádor“ ist der Höhepunkt der Scheibe. Da hilft auch die vokale Mitwirkung von Ober-KASSIERER Wölfi bei „Mein Klon“ wenig.

BRIGADE S. geht der satirische Humor und der prollige Charme ihrer referenziellen Vorbilder weitgehend ab. Was bleibt sind teils launige, teils fade Aso-Fantasien („Schlittenlied“) mit schwankendem Amüsementfaktor, sowie die Erkenntnis, dass sich George Michael auch auf Wanne-Eickel reimt. Immerhin zieht der Vierer sein Ding konsequent durch. Doch muss die Frage erlaubt sein, ob man eine weitere Kapelle dieses Schlages wirklich braucht. Wessen Antwort ein klares ja bedeutet, der findet womöglich auch an „Menschenverachtende Untergrundmusik“ gefallen.

Wertung: (5 / 10)

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