Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns (USA/GB/IRL/F/D 2004)

bridget-jones-am-rande-des-wahnsinnsSage und schreibe drei Jahre sind ins Land gegangen, seit Reneé Zellweger die übergroßen Schlüpfer über die pfundigen Pobacken schob und als leidgeplagte Singlefrau Bridget Jones in „Schokolade zum Frühstück” ihren internationalen Durchbruch ansteuerte. Was folgte war neben abebbendem Hüftspeck und einer Vielzahl beachteter Kinofilme der diesjährige Erhalt des Oscars für ihre Darbietung in „Unterwegs nach Cold Mountain”. Nun sind das gehortete Körperfett und der trainierte britische Akzent der gebürtigen Texanerin zurück auf großer Leinwand: In „Am Rande des Wahnsinns”, der Verfilmung des zweiten Romans der Engländerin Helen Fielding über das schrecklich nette Beziehungswunder Bridget Jones, sucht der selbstanalytische wie selbstzweifelnde Thirtysomething eine Antwort auf die Frage, was nach dem Happy End des ersten Parts in der Folge alles passieren kann.

Sorgen trüben das in sonniger Verliebtheit badende Gemüt der aufstrebenden Fernsehjournalistin Bridget Jones, unterstellt sie ihrem Menschenrechtsanwalt Mark Darcy (Colin Firth, „Ernst sein ist alles”) doch insgeheim Untreue mit der langbeinigen Kollegin Rebecca (Jacinda Barrett, „Ladder 49″). Kaum in der Lage, ihrer ungezügelten Eifersucht Einhalt zu gebieten, bekommt die Beziehung zum konservativen Rechtsgelehrten bereits nach wenigen Wochen der trauten Zweisamkeit Risse. Zu allem Überfluss taucht dann auch noch Chauvinist Daniel Cleaver (Hugh Grant, „About a Boy”) auf der Bildfläche auf, in der Zwischenzeit zum beliebten TV-Korrespondenten avanciert. Zusammen sollen die beiden eine Reportage in Thailand drehen. Als man sich nach Bridgets unfreiwilligem Verzehr halluzinogener Pilze neuerlich näher kommt, scheint Bridgets Gefühlschaos perfekt.

Von der sympathischen Blaupause einer krisengeschüttelten Frau aus „Schokolade zum Frühstück” ist im Aufguss kaum mehr etwas übrig. Wie eine Kunststoffpuppe mit variablem Make Up und differenten Bekleidungsaccessoires wird Bridget Jones von einer Szene in die nächste gereicht. Degradiert zu einem clownesken Dummy werden an diesem Testpüppchen jegliche Missgeschicke und Fettnäpfchen weiblicher Vorstellungskraft durchgespielt. Dabei verkommt Renée Zellweger zwischen irdischen Extremsituationen wie ruiniertem Haarschnitt, ruiniertem Kurzurlaub und beinahe ruinierter Beziehung zur unfreiwilligen Parodie ihrer selbst. Das integre Element des femininen Identifizierungsspektrums wird im Zuge dieses glossierenden Marathons zügelloser Peinlichkeiten zugunsten maßloser Übersteigerung ausgeklammert.

Dass viele Köche den Brei verderben, zeigt sich auch am Beispiel von „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns”. Neben Quellenverfasserin Helen Fielding bastelten mit Richard Curtis („Love Actually”), Andrew Davies („Der Schneider von Panama”) und Adam Brooks („French Kiss”) gleich drei verschiedene Autoren am Skript der Fortsetzung Jones´scher Tagebuchsichtungen. Regisseurin Beeban Kidron („To Wong Foo, Thanks for Everything! Julie Newmar”) gelingt es nur unzureichend, die Fülle amüsanter Abenteuer zu einer schlüssigen narrativen Einheit zu bündeln. Vielmehr präsentiert sich die unstrukturierte Kapitelung als slapstickhafte Anhäufung banaler Fräuleinklischees. Bridget weiß zwar nicht, wo Deutschland auf der Weltkarte einzuordnen ist, kann mit einigen Brocken improvisierter teutonischer Vokabeln jedoch im Österreichischen Skiort einen Schwangerschaftstest erwerben. So wird in loser Folge banalen Kalauern und schwachen Plot-Twists Tür und Tor geöffnet, bis Bridget in Thailand als mutmaßliche Drogenkurierin inhaftiert wird.

Doch wozu sich grämen, wenn man den ehemaligen Strichmädchen und Zellenkumpaninnen in der Zwischenzeit die Choreographie und Texte von Madonna näher bringen kann? Schließlich prescht der Märchenprinz, vom naiven Lächeln der beleibten Holden angelockt, schon bald zur Pforte herein um die zu Unrecht eingekerkerte Maid vor weiterem Schaden zu bewahren. Was Bridget Jones neben infantiler Völkerverständigung auch bei ihrem zweiten Kinoauftritt zu Gute schlägt, ist das hohe Tempo und die Schlagzahl der humoristischen Eskapaden. Diese basieren zwar oftmals auf Repetitionen des Fundus aus „Schokolade zum Frühstück”, doch bietet der Film bei aller Angriffsfläche belanglosen Zeitvertreib der vergnüglichen Sorte.

Darstellerisch bleibt alles beim alten: Colin Firth gibt als prinzipiengetreuer Rechtsgelehrter den snobistischen Mann fürs Leben durchaus ansprechend, wenngleich die funktionale Chemie zwischen ihm und Wonneproppen Renée Zellweger von Hugh Grants inbrünstiger Verkörperung des arroganten Macho-Mistkerls Daniel Cleaver überschattet bleibt. Auch Oscar-Preisträger Jim Boradbent („Iris”) ist als Bridgets Vater wieder dabei. „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns” ist eine unterhaltsame wie oberflächliche Beziehungsposse um die fiktive Alltagsheldin der Postmoderne. Dabei reflektiert Beeban Kidrons munterer Reigen den Zeitgeist der modernen „Sex and the City”-Generation – und stößt Bridget Jones unbewusst über den Rand der Komödie mitten hinein ins bissige Herz der Satire.

Wertung: (6 / 10)

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