Breaking and Entering (USA 2006)

breaking-and-entering„Breaking and Entering“ – so vielschichtig können Filmtitel sein. Es geht um Einbruch und Diebstahl, das Eindringen in die Privat- und die Intimsphäre. Da werden Opfer zu Tätern, weil sie neben ihrem Platz im Leben auch die Liebe suchen. Die Namen vor wie hinter der Kamera sind groß. Warum das leise inszenierte Drama bei uns nicht den Weg ins Kino fand, bleibt rätselhaft. Ein Massenpublikum spricht Regisseur und Autor Anthony Minghella („Der englische Patient“) wahrlich nicht an. Aber welches Filmwerk mit gehobenem Anspruch tut das schon?

Leben und Leiden einiger Londoner vermischen sich, als der junge Miro (Rafi Gavron, „Rome“), Sohn der Serbischen Muslimin Amira (Juliette Binoche, „Chocolat“), wiederholt in das Büro der Architekten Will (Jude Law, „Closer“) und Sandy (Martin Freeman, „Per Anhalter durch die Galaxis“) einbricht. Der Bruder des im Jugoslawienkriegs ermordeten Vaters ist der Drahtzieher. Für die Beutezüge schwänzt der akrobatische Teenager die Schule und setzt obendrein seine Zukunft aufs Spiel. Denn Miro ist Wiederholungstäter. Wird er von Polizist Bruno (Ray Winstone, „Sexy Beast“) noch einmal geschnappt, landet er im Knast.

Während Miro über das entwendete Laptop Wills an dessen beruflichem und privatem Leben teilnimmt, begibt sich der Bestohlene auf die Suche nach Zuneigung. Seine Lebensgefährtin Liv (Robin Wright Penn, „Message in a Bottle“) zieht sich mehr und mehr in einen für ihn undurchdringlichen Kreis mit ihrer autistischen Tochter Bea (Poppy Rogers, „Nicholas Nickleby“) zurück. Als er und Sandy beschließen, ihr Büro auf eigene Faust zu überwachen, wird der Dieb auf frischer Tat ertappt. Will folgt dem flüchtenden Miro bis nach Hause und sucht in der Folge die Nähe Amiras. Lange jedoch lässt sich die Fassade nicht aufrecht erhalten.

Die bedächtige Erzählung verzichtet auf Weichzeichner und effekthaschende Sentimentalitäten. Zwar steuert die verwobene Geschichte auf finale Konfrontationen und Veränderungen zu, jedoch nicht im Stile moralisch belehrender Happy End-Unterhaltungskost. Dass sich mancher Knoten am Ende löst, macht die Läuterung des Einzelnen deutlich. Sämtliche Probleme sind damit aber längst nicht aus der Welt geschafft. Mit ihrer Bewältigung lässt Minghella die Protagonisten letztlich allein. Ein glänzend gespieltes Ensemble-Drama, das entschieden mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihm bislang entgegengebracht wurde.

Wertung: (7,5 / 10)

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