BRDigung – Tot aber lebendig (2010, Rookies & Kings)

brdigung-tot-aber-lebendigAngenommen man sitzt bei „Wer wird Millionär” auf dem Stuhl und bekommt die Frage nach der Genrezugehörigkeit von BRDIGUNG gestellt. Mehr als 100 Euro dürften bei Jauchs Günther dabei nicht herausspringen. Diesbezüglich erfüllen die vier Jungs aus NRW zu sehr die Deutsch-Punk-Klischeekiste und lassen von vornherein nichts allzu Gutes befürchten. Umso erstaunlicher ist dann aber das, was sie mit ihrem zweiten Album „Tot aber lebendig“ präsentieren. Denn vom stumpfen teutonischen Humpta-Punk mit den ewig gleichen Botschaften und Parolen sind BRDIGUNG ein Stück entfernt.

Stattdessen versetzen sie ihren deutschsprachigen Punkrock sogar mit ein paar metallischen Elementen und heben sich vor allem inhaltlich von all den Bands ab, mit denen man sie am liebsten gleich in einen Topf geworfen hätte. Natürlich haben auch sie ihre Meinung zu vielen Dingen, die im Deutsch-Punk durchaus auf der Tagesordnung stehen, nur wirken ihre Texte einfach düsterer und vor allem nicht nach Schema F gebrüllt. Dass die Banken und der Kapitalismus sowieso einen vor den Bug bekommen, versteht sich von selbst („Geld regiert die Welt“) und auch die diversen Kampfeinsätze fern der Heimat kommen auf den Tisch („Nichts dazu gelernt“). Neu dagegen ist ein Song wie „Party jeden Tag“, der sich durchaus kritisch mit der RTL2-Partyjugend auseinandersetzt.

Musikalisch gibt sich das Quartett ebenso vielseitig, zumindest was die Möglichkeiten hergeben. Mit „Verlorene Hoffnung“ ist sogar eine Halbballade mit Streichern zu hören, was die grundsätzlich auf „Tot aber lebendig“ vorherrschende düstere Note nochmals unterstreicht. Insofern darf man in diesem Falle schon von einer kleinen Überraschung sprechen, denn musikalisch als auch inhaltlich ist das nicht von schlechten Eltern und zeigt einfach, dass es auch im Deutsch-Punk (sofern man sie dazu zählen möchte) angenehme Randerscheinungen gibt.

Wertung: (6 / 10)

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