Bram Stoker’s Dracula (USA 1992)

bram-stokers-draculaSeit etwa 90 Jahren gibt es Filme über den Grafen Dracula oder Nosferatu, die seitdem zu den unheimlichsten aller Schurken zählen. Der deutsche Max Schreck wurde damit berühmt, ebenso Bela Lugosi. Und wer erinnert sich nicht mit Schaudern an die Zeit der Hammer Studios, mit den ewigen Widersachern Christopher Lee und Peter Cushing? Als das Thema grundsätzlich als verpönt galt, nahm sich „Der Pate“-Regisseur Francis Ford Coppolla des Stoffes an und schuf mit Hilfe von Kameramann Michael Ballhaus („Outbreak”) das bislang wohl bildgewaltigste Werk, welches die Geschichte der Romanvorlage von Bram Stoker aufgriff.

Im 15. Jahrhundert befinden sich die Türken auf dem Vormarsch in Richtung Mitteleuropa. Fürst Dracul (Gary Oldman) stellt sich diesen und besiegt sie vernichtend. Die Türken rächen sich, in dem sie die Nachricht verbreiten, der Fürst sei tot, worauf sich dessen Geliebte Elisabetha (Winona Ryder) das Leben nimmt. Daraufhin wendet sich der tobende Dracul von Gott ab und wird zum Untoten. Mehr als drei Jahrhunderte später reist der englische Anwalt Jonathan Harker (Keanu Reeves) in die Karpaten, um dort Immobiliengeschäfte mit dem Grafen Dracul (immer noch Oldman) abzuschließen. Der mysteriöse Graf entwickelt schnell Interesse für Harkers Freundin Mina (wieder Ryder), die Elisabetha zum Verwechseln ähnlich sieht. Während sich der Graf in Richtung London aufmacht, muss Harker als Gefangener im Schloss seines Gastgebers ausharren.

Entgegen dem Großteil von „Dracula“-Verfilmungen steht bei Coppolla die Liebe der Titelfigur im Vordergrund. Bereits in den ersten Minuten wird diese in prachtvollen Bildern eingeführt. Ein blutüberströmter Gary Oldman, der die türkischen Eindringlinge besiegte und dafür mit seiner Liebe bezahlte, welche ihn letztlich erst zu Dracula werden ließ. Dies ist auch im Anschluss Dreh- und Angelpunkt des Films. Die unerfüllte Liebe und die Suche nach selbiger. Man mag als Zuschauer mit Gary Oldman („Batman Begins“) fühlen, der neben der bildgewaltigen und opulenten Inszenierung schon alleine den Film rechtfertigt. Seine Figur – meist eine blutrünstige Bestie mit unzähligen Gesichtern – giert förmlich nach der großen Liebe. Dem haben seine Widersacher außer einem routinierten Anthony Hopkins („Nixon“) als Vampirjäger Van Helsing nicht viel entgegenzusetzen. Hopkins ist ein würdiger Gegner, dem es an notwendiger Härte und ein bisschen Witz nicht mangelt.

Keanu Reeves („Matrix“) dagegen bleibt blass, nicht nur wegen seiner schalen Hautfarbe. Ähnlich verhält es sich mit Winona Ryder („Zeit der Unschuld“). Während es Keanu Reeves an Ausdruck fehlt, wirkt Winona Ryder als junge Frau häufig etwas zu kindisch. Dem Film fehlt mitunter zudem eine schlüssige Verbindung einzelner Handlungsstränge und Erzählebenen. Etliche Punkte bleiben im Dunkeln verborgen, werden einfach vorausgesetzt, statt hier eine Erklärung zu liefern. Dafür stimmt die Inszenierung. Die Bilder lassen den Betrachter in den Film eintauchen, sei es das düstere Schloss in den Karpaten, drei weibliche Vampire (u.a. Monica Bellucci), die Keanu Reeves verführen, oder aber die verstörend wirkenden Stalkerszenen in London, wo sich Dracula als Wolf an Minas Freundin Lucy vergeht. Inhaltlichen und teils schauspielerischen Mängeln zum Trotz ist „Bram Stoker’s Dracula“ ein opulentes, bildgewaltiges Werk und sicherlich eine der besten Verfilmungen des Themas. Auch dank eines grandiosen Gary Oldman.

Wertung: (8 / 10)

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