Braindead (NZ 1992)

braindead„They’re not dead exactly, they’re just… sort of rotting.”

Mit „Braindead“ überschritt die Überbietungslogik des Splatterfilms endgültig ihren Zenit. Das erkannte auch Regisseur Peter Jackson und eroberte statt dessen Hollywood. Sein Debüt „Bad Taste“ (1987) ist der bekannteste Amateurfilm aller Zeiten, der Nachfolger „Meet the Feebles“ (1989) die dunkle Seite der Muppets. Nach dem weltweiten Siegeszug von „Braindead“ (1992) folgte das Drama „Heavenly Creatures“ (1994) und die Horror-Komödie „The Frighteners“ (1996), ehe der Neuseeländer mit der grandiosen „Herr der Ringe“-Trilogie Kinogeschichte schrieb und zu Oscar-Ehren kam.

„Braindead“ ist nicht nur gemessen am Kunstblutverbrauch der ultimative Splatterfilm, sondern auch die Krone des ironisierten Zombie-Spuks. Fast scheint es, als wäre Monty Pythons Sequenz vom Schwarzen Ritter aus „Die Ritter der Kokosnuss“ auf Spielfilmlänge angewachsen. Makabre Absurditäten vermischen sich mit Slapstick und münden in einen zur Legende avancierten Zerstückelungsmarathon mit einem Verbrauch von fünf Gallonen Kunstblut pro Sekunde. Ernstzunehmen ist das völlig überdrehte Spektakel nicht. Missverstanden haben das einmal mehr die deutschen Sittenwächter und beschlagnahmten den Film bereits kurz nach seiner Veröffentlichung.

Im Zentrum des verlustreichen Kult-Trashs steht Muttersöhnchen Lionel, gespielt vom Neuseeländischen Komiker Timothy Balme („Familienglück oder andere Katastrophen“). Der dominante Hausdrachen (Elizabeth Mooddy, „Heavenly Creatures“) hält den Sohnemann unter gestrenger Fuchtel und unterbindet rigoros Lionels Anbandelung mit der Verkäuferin Paquita (Diana Peñalver, „The Things of Love“). Als Mutter im Zoo von einem (Stop-Motion-)Rattenaffen gebissen wird, nimmt das Unheil seinen Lauf. Denn der Biss verwandelt die alte Dame über den Tod hinaus in ein mörderisches Ungeheuer und bereitet Lionel mehr Ungemach als zuvor.

Was soll diese völlig durchgedrehte Ausgeburt parodistischer Abartigkeiten in der Zukunft noch überbieten? Mutter mampft ihr eigenes Ohr mit Porridge, der Karate-Pfarrer (Stuart Devenie, „Der Überflieger“) tritt einer Horde Punks in den Arsch und Lionel hat seine liebe Müh mit einem unkontrollierbaren Zombie-Baby. Jenseits des guten Geschmacks entfesselt Peter Jackson einen zügellosen Gewalt-Comic mit sublimierter Gewalt und Gartenzwerg im Halsstumpf. Das genüssliche Blutvergießen suhlt sich in Selbstironie und führt den Untoten-Horror á la Romero liebevoll ad absurdum.

Mit Horror im eigentlichen Sinne hat „Braindead“ im Grunde ebenso wenig zu tun wie die amüsanteste Szene des ganzen Films: Wenn Lionel das Zombie-Baby im stacheldrahtversiegelten Kinderwagen im Park spazieren führt, bleibt garantiert kein Auge trocken. Dabei legt Timothy Balme die grandioseste Ein-Mann-Performance seit Bruce Campbell in „Tanz der Teufel 2“ aufs Parkett. Wer trotz aller absurden und maßlos übersteigerten Wesenszüge noch immer auf gewaltverherrlichende Tendenzen beharren will, der verwechselt – Rasenmäher hin oder her – pointierte Gore-Groteske schlicht mit zynischer Menschenverachtung. Aber für ein spezielles Humorverständnis war die Bundesprüfstelle ja noch nie bekannt.

Wertung: (7,5 / 10)

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