Bracket – The Last Page (2016, DIY)

bracket-the-last-page„Who needs all this sunshine. I am staying inside. My disdain magnified. I’ve broken down. Who needs aspirations. I have isolation. Everyone needs someone. I’ve broken down.“

So richtig passten BRACKET nie ins Bild. Ihr von eigentümlich quakiger Stimme umspülter Pop-Punk ist in einer Zeit verwurzelt, als der Genre-Begriff noch nicht mit Bands wie BLINK-182 gleichgesetzt wurde. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nach ihrem Weggang von Fat Wreck, dem Aufbau eines eigenen Studios (Trailer Park Studios) und der Veröffentlichung ihres sechsten Studioalbums „Requiem“ (2006) wurde es still um die Kalifornier. Bis sich das Quartett 2014 mit „Hold Your Applause“ zurückmeldete. Dass das letzte Kapitel in der Geschichte der Band damit längst nicht geschrieben wurde, belegt „The Last Page“, ihr eigenproduzierter achter Langspieler.

Der nimmt besagten Begriff wörtlich, besteht die rund 70-minütige Scheibe doch nur aus einem einzigen Track. Diese extravagante Idee ist nicht zwingend neu, genügt aber auch hier für ein eigentümlich versponnenes Klangerlebnis. Das allerdings dürfte abseits der eingefleischten Fanbasis mehr überfordern denn begeistern, bildet „Warren’s Song, Pt. 28“ doch eine Collage aus einer Vielzahl an Song-Ideen und -Fragmenten, die BRACKET im Laufe der vergangenen Jahre angesammelt und aufgenommen haben. Die sinnhafte Verkettung dieser Einzelteile bedeutete zweifelsfrei eine stattliche Herausforderung. Das von manch kantigem Übergang oder vereinzelten Pausen überschattete Ergebnis kann sich aber auch ohne erkennbaren roten Faden sehen und mehr noch hören lassen.

„The Last Page“ ist eine Platte über das Älterwerden. Und die Liebe. Einschließlich ihrem Scheitern. Das klingt nach großer Gemütsschwere, wird abseits des zarten Hauchs konstanter Melancholie aber mit gewohnter Leichtigkeit vorgetragen. Der Gesang erweckt mitunter den Eindruck einer A-Capella-Band. Manchmal scheint er auch zu entschweben, während die Instrumente sanft verebben. Dann plötzlich schlägt das Tempo um und es wird melodisch-punkig gerockt. Regeln und Grenzen kennen die Jungs längst nicht mehr. Das zeigt sich auch im peripher-punktierten Einsatz  von Kirchenorgel, Synthies oder Bläsern. Im Gesamtbild mögen BRACKET im Laufe ihres Werdegangs schon frischer und vor allem leichter zugänglich geklungen haben. Als niveauvolle Punk-Berieselung mit zahlreichen schönen Momenten genügt dieser musikalische Flickenteppich aber ohne jede Frage.

Wertung: (6,5 / 10)

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