Bordello of Blood (USA 1996)

bordelloofbloodÜber die „Geschichten aus der Gruft“ muss man keine großen Worte verlieren. Immerhin sind der zynisch-neunmalkluge Crypt Keeper und seine makabren Geschichten fester Bestandteil der modernen Horror-Kultur. Da die TV-Serie mit großem Erfolg über die Mattscheiben flimmerte – über die brutale (sic!) Zensurpolitik von SAT1 breiten wir lieber den Mantel des Schweigens aus -, schien der Gang auf die große Leinwand nur konsequent. Schon der erste Titel, „Demon Knight“ (1995), wurde von der Kritik nicht eben wohlwohllend aufgenommen, durfte sich aber beim Publikum einiger Beliebtheit erfreuen. Der ein Jahr später vorgestellte Quasi-Nachfolger „Bordello of Blood” stieß bei Kritikern auf noch mehr Ablehnung, doch blieben diesmal auch die Zuschauer fern. Verübeln kann man es ihnen keineswegs.

Die fromme Katherine (Erika Eleniak, Ex-„Baywatch“-Star) hat ein großes Problem: ihren Bruder Caleb (Corey Feldman, Ex-Kinderstar). Der junge Mann hat nur Flausen im Kopf, sprich laut teuflisch´ Rockmusik hören, mit Gleichgesinnten in heruntergekommen Bars feiern und fidel über sexuelle Ausschweifungen sinnieren. Bis er eines abends beim McCutheons Bestattungsinstitut landet, welches aber neben dem eigentlichen Aufgabenfeld rund um das Abenteuer Begräbnis, eine weitere Attraktion zu bieten hat: ein waschechtes Freudenhaus. Doch in diesem Genussschuppen läuft nicht alles mit rechten Dingen zu, sind die sehr lasziven Animiermädchen auf einen anderen Körpersaft der Kundschaft interessiert als sonst: Blut!

Doch der Überraschungen nicht genug, steckt die Obermutter bzw. Ober-Vampirin des Etablissements, die hübsche Lilith (Angie Everhart, Ex-Frau von Sylvester Stallone) mit Katherines Arbeitgeber, dem schmierigen TV-Prediger J.C. Current (Chris Sarandon, „Fright Night“) unter einer Decke. Als die unfähige (was sonst?) Polizei Calebs Verschwinden nicht aufklären kann, nimmt die verzweifelte junge Frau widerwillig die Hilfe des unmanierlichen Privatschnüfflers Rafe Guttman (Dennis Miller, Ex-„Saturday Night Live“-Star) an. Dabei mangelt es insgesamt nicht an wohlgeformten, entblößten weiblichen Rundungen und einer diskreten Portion handgemachter Gore-Effekte, wohl aber an Spaßvermögen.

Die „Titty Twister“-Zweigstelle überzeugt nicht gerade durch eine ausgeklügelte Geschichte. Doch um das (männliche) Publikum bei Laune zu halten, braucht es gänzlich andere Qualitäten – übertriebene Splatter-Action, saucoole Anti-Helden und trockene Oneliner. Im direkten Vergleich zieht „Bordello of Blood“ aber den deutlich kürzeren. Die Charaktere sind uninteressant bis nervig, die Action schwach und die Kalauer laden zum Fremdschämen ein. Doch der prägendste Nervfaktor ist gewiss dem geballten Overacting zuzurechnen, das sogar einem Nicolas Cage die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. In einer Szene kommentiert Rafe Guttman das Geschehen mit den Worten: „Ich fühle mich, als wäre ich in einer schlechten ´Geschichten aus der Gruft´-Geschichte!” Wenn er nur wüsste, wie Recht er damit hat.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

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