Bones – Der Tod ist erst der Anfang (USA 2001)

bones-dickersonFür erfolgreiche US-Rapper ist es seit Anfang der Neunziger fast Ehrensache, sich ein Zubrot als Akteur in Hollywood-Produktionen zu verdienen. So ist nach Ice-T, LL Cool J, Ice Cube, Tupac Shakur und Dutzenden anderen Homies Snoop Dogg der nächste Schmalspurgangster mit Schauspielambitionen. Doch auch er ist nur einer unter vielen. Unter der Regie von Ernest Dickerson, einst als Kameramann für Spike Lees „Do the Right Thing” zu Ruhm gelangt, mimt der schmächtige Musiker in seiner ersten Hauptrolle den Ghetto-König Jimmy Bones.

Jener wird im Jahre 1979 von ein paar zwielichtigen Geschäftspartnern getötet, weil er sich partout weigert zuzulassen, dass Crack auch die Straßen seines Viertels überschwemmt. Doch ist für Bones der Tod erst der Anfang. Denn als Patrick (Khalil Kain), Sohn eines der Mitschuldigen, mehr als 20 Jahre später das verfallene Domizil des Ermordeten renovieren und zu einem exklusiven Nachtclub umbauen will, entsteigt der ruhelose Geist des Toten seinem Grab und übt grausame Rache. Nur Pearl (Pam Grier, „Foxy Brown”), ehemalige Geliebte Jimmy Bones’, und ihre Tochter Cinnabar (Bianca Lawson) sehen das Unheil kommen.

In den frühen Siebzigern, genauer im Jahre 1973, fand die Blaxploitation-Bewegung, die Unabhängigkeitserklärung des „Neuen schwarzen Kinos” mit „Shaft” ihr Zugpferd. Aus den Ruinen dieser Epoche schöpft Ernest Dickerson („Demon Knight”) die Grundlage für „Bones” und erzählt die Mordgeschichte des Ghetto-Paten in stilistisch durchaus ansprechenden Bildern. Doch trotz dieser retrospektiven Elemente bleibt der Streifen ein schnörkelloser Horrorfilm ohne eigene Ideen. Dickerson tischt dem Zuschauer nur altbekannte Elemente auf und klaut dabei ungeniert bei Genre-Perlen wie „Nightmare on Elm Street”, „The Crow” oder sogar „The Evil Dead”. Optisch über weite Strecken ansehnlich in Szene gesetzt, versäumt es Dickerson allerdings, der flachen Story auf die Beine zu helfen.

Die Geschichte plätschert vor sich hin, während die Zahl der Charaktere eingegrenzt und überschaubar bleibt. Das Schlussdrittel hält dann einige nett ausstaffierte Tötungssequenzen bereit, bei denen mit unnatürlich rotem Kunstblut, ebenfalls eine Hommage an die wilden Siebziger, nicht gegeizt wird. Auch die Darsteller – darunter u.a. Clifton Powell („Dead Presidents”) – agieren solide. So bietet „Bones” moderate Unterhaltung, einfallslos, aber gut inszeniert. Der Retro-Ritt durch liebgewonnene Genres ist urbaner Horror im Comic-Gewand und nimmt sich darüber hinaus selbst nicht immer ganz ernst. Freunde nett gemachter Horrorstreifen werden hier sicherlich ebenso gut bedient wie jene Anhänger des neuen schwarzen Kinos.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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