Body Snatchers (USA 1993)

body-snatchers„It’s the race that´s important, not the individual.“ – der verwandelte General Platt

Abel Ferrara ist ein Independent-Regisseur erster Güte. Desillusionierte Werke wie „King of New York“ oder „Bad Lieutenant“ machten ihn berühmt. Mit „Body Snatchers“, der stark bebilderten dritten Kinoadaption des Science-Fiction-Romans von Jack Finney, streifte er den Mainstream. Dies neuerliche Remake des klassischen Paranoia-Stoffes erscheint im Vergleich zu den hochkarätigen Vorgängern überflüssig. Zwar erzeugt Ferrara mit zahlreichen Effekten und viel Gegenlicht beständige Spannung, dirigiert jedoch eine in weiten Teilen blasse Besetzung.

Als Identifikationsfigur dient die junge Marti (Gabrielle Anwar, „Das Leben nach dem Tod in Denver“), deren Vater (Terry Kinney, „Sleepers“) Militärbasen auf ihre Umweltverträglichkeit überprüft. Aus dem Off begleitet sie rückblickend die Übernahme der ahnungslosen Menschen in ihrem Umfeld durch pflanzenähnliche Außerirdische, die sich ihrer Opfer im Schlaf bemächtigen. In Schoten gedeihen gefühlskalte Abbilder, mit deren Belebung der originale Körper verdorrt und zu Staub zerfällt. Der schrittweise Austausch der Spezies bleibt damit nahezu unerkannt.

Statt in Klein- oder Großstadt beginnt das Grauen auf einem Armeestützpunkt. Offizier Collins (Forest Whitaker, „Species“), Leiter des medizinischen Stabs, macht die grassierende Emotionslosigkeit zu schaffen. Doch vermutet er die Ursache in den eingelagerten chemischen Kampfstoffen. Bis er, mehr noch Marti die Wahrheit begreift, ist die Stiefmutter bereits assimiliert, der kleine Bruder in Furcht erstarrt und Lagerkommandant Platt (R. Lee Ermey, „Full Metal Jacket“) des Sieges der Invasoren gewiss. Nur Hubschrauberpilot Tim (Billy Wirth, „The Lost Boys“) scheint noch Gegenwehr zu leisten.

Der passable Fantasy-Thriller, an dessen Drehbuch neben Larry Cohen („American Monster”) auch „Re-Animator“-Regisseur Stuart Gordon beteiligt war, ist von bedrohlicher Atmosphäre, kommt an „Die Dämonischen“ (1956) und „Die Körperfresser kommen“ (1978) aber längst nicht heran. Ferraras Version hat der Geschichte abseits des Settings nichts Neues hinzuzufügen, lässt gar die gesellschaftspolitischen Untertöne vermissen. Als Neuinterpretation geht der Film in Ordnung, gerade weil er das „Niemand wird ihnen glauben“-Finale des Originals aufgreift. Nach einem kurzzeitig explosiven Gegenschlag kehrt der altbekannte Pessimismus ein. Der aber wirkt nur noch beklemmend, wenn man die anderen Fassungen nicht kennt.

Wertung: (6 / 10)

scroll to top