Body Count – Mathematik des Schreckens (I/USA 1986)

body-count-mathematik-des-schreckens„Body Count“ ist ein typischer Vertreter des italienischen Slasherfilms. Alles ist wie in den standardisierten US-Vorbildern. Nur eben meist blutiger und billiger. In diesem besonderen Falle aber sorgt nicht nur amerikanische Finanzhilfe für erhöhten Gleichklang, sondern auch ausrangierte Gesichter des B-Films. Eines davon gehört Russ Meyer-Veteran Charles Napier („Armstrong“), der sich hier einmal mehr den Stern des örtlichen Sheriffs an die Brust heften darf. Neben der Verführung verheirateter Frauen hat er alle Hände voll zu tun, schließlich wütet ausgerechnet in seinem Geltungsbereich ein wahnsinniger Killer.

Acht Twens auf Urlaub lesen am Straßenrand den Anhalter Ben (Nicola Farron, „Kinderraub in Rio – Eine Mutter schlägt zurück“) auf. Aus Dankbarkeit lädt er sie ein, auf dem abgelegenen Campingplatz seines Vaters (David Hess, „Das Ding aus dem Sumpf“) zu gastieren. Der ist gar nicht erfreut über den ungebetenen Besuch, macht er doch Jagd auf einen geisterhaften indianischen Schamanen, der für einige Morde in der Gegend zur Verantwortung gezogen werden sollte. Weil die Jugend aber nicht hören will, lichtet sich die Zahl der Ausflügler in rascher Folge.

Mit „Cannibal Holocaust“ avancierte Ruggero Deodato zum Schreckgespenst der Sittenwächter. Sein Nachtrag zum Schlitzer-Horror bereitet da kaum Kopfzerbrechen. Zwar geht es mitunter brutal zur Sache, das wahlweise in rosa- oder dunkelrot aus Mündern und Wunden sickernde Kunstblut mindert die Drastik etwaiger Tötungsdelikte aber merklich ab. Im Grunde ist alles beim alten, hier sogar deutlich an „Freitag der 13.“ angelehnt. Die jungen Opfer benehmen sich gerade so, wie sie müssen, um schnell aus dem schlecht geschriebenen Skript weichen zu dürfen.

Für moderate Spannung sorgen die Kompositionen von Joel Goldsmith („Maniac Cop 3“), überschattet bleiben sie von zeitgemäß scheußlichen Popklängen. Aufkeimende Atmosphäre wird von schlechtem Schauspiel und akuter Sinnbefreiung unterdrückt. Für erhöhte Konfusion sorgt das Schlussdrittel, das gleich mehrere Mörder präsentiert und sich mit einer vorhersehbaren Pointe in den überfälligen Abspann verabschiedet. Der Film ist mit dem Untertitel „Die Mathematik des Schreckens“ bestückt. Ein wenig Nachhilfe wäre auch den Machern nicht schlecht bekommen. Vielleicht hätte es dann zu größeren Leistungen gereicht als dem Einmaleins des Slasher-Genres.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

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