Body Count – Bloodlust (2017, Century Media)

Für Rapper Ice-T (Geburtsname: Tracy Lauren Marrow) war das Leben ein beständiger Kampf. Die Musik des 59-jährigen kündet davon. In ihr geht es um Rassismus, Kriminalität und Gewalt. Ein Blatt nahm er im Laufe seiner bald vier Jahrzehnte umspannenden Karriere nie vor den Mund. Ein besonderes Ventil dafür ist BODY COUNT, jene 1990 gegründete Combo, in der Rap, Hardcore und (Thrash-)Metal eine unheilige Allianz eingehen. Das funktionierte in der Vergangenheit mal besser und mal schlechter, doch blieb sich Ice-T auf dem schmalen Grat zwischen Aufruhr und Unterhaltung in der Summe stets treu. Das belegt auch „Bloodlust“, der sechste Langspieler unter der Marke BODY COUNT.

Der bietet grundlegend nichts nennenswert anderes als die Vorgänger und entpuppt sich doch als eine der stärkeren Platten der Kalifornier. Zurückzuführen ist das auf die über weite Strecken kompromisslose Herangehensweise – und die bisweilen schäumende, ins Politische driftende Wut. Die offenbart sich bereits im wuchtigen Opener „Civil War“, bei dem, unterstützt von Dave Mustaine (MEGADETH) der Bürgerkrieg ausgerufen wird. Noch deutlicher geht es bei „No Lives Matter“ zu, einer der besten Nummern der Scheibe. Dabei richtet Ice-T eine deutliche Ansage in Richtung derjenigen, die die „Black Lives Matter“-Bewegung als zu eng gefasst verstanden haben wollen. In diese Kerbe schlägt auch der finale Track „Black Hoodie“, der sich gegen willkürliche Polizeigewalt richtet. Ein Thema, dass gerade in den USA mittlerweile zur Alltagsdiskussion gehört.

Verbrechen und (Gang-)Gewalt beherrschen neben „The Ski Mask Way“ auch den als Ausdruck einer enthemmten Gesellschaft durchgehenden Titeltrack. Das Tempo ist meist angezogen, mit deftigen Riffs und aggressiver Grundfärbung hinterlassen BODY COUNT durchaus bleibende Eindrücke. Dezentere und damit melodischere Töne halten u. a. mit „This is Why We Ride“ Einzug. Doch bleiben sie die Ausnahme. Im Zentrum stehen schnörkellose Brecher des Kalibers „All Love is Lost“, bei dem Max Cavalera (SEPULTURA) als Gastsänger in Erscheinung tritt, das von Randy Blythe (LAMB OF GOD) unterstützte „Walk With Me“ oder die SLAYER-Hommage „Raining in Blood / Postmortem 2017“. Ein wenig platt wirkt allein die Serienkiller-Fantasie „Here I Go Again“. Doch liegt gerade darin die erfreulichste Erkenntnis von „Bloodlust“, das in seiner Abgründigkeit wie aus einem Guss wirkt. Auf diesem Niveau bleiben Ice-T und Gefährten eine echte Bereicherung.

Wertung: (7 / 10)

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