Bobby – Sie alle hatten einen Traum (USA 2006)

bobbyBereits im Alter von fünf Jahren begann für Emilio Estevez („Men at Work“) die „Arbeit“ an seinem Lebenstraum, den er keine 40 Jahre später mit „Bobby“ verwirklichen sollte. Damals schüttelte er dem Senator Robert F. Kennedy während eines Auftrittes kurz und beiläufig die Hand, ein für Estevez prägendes Erlebnis. Ein Jahr später wurde Kennedy erschossen. Mit seinem mit Stars gespickten Episodenfilm rückt Estevez allerdings nicht die Person des Robert F. Kennedy in den Vordergrund, sondern vielmehr die Aura und den Mythos rund um dessen Person.

Die Kennedys. Ein Thema, wie geschaffen für Hollywood. Keine andere Familie verkörpert Glamour, Macht, Liebe und Tragik so wie die Kennedys. Nachdem 1963 John F. Kennedy einem Attentat zum Opfer fiel, ereilte ein ähnliches Schicksal einige Jahre später auch seinen jüngeren Bruder Robert F. Kennedy, genannt Bobby. Dieser schaffte es in ähnlicher Art und Weise, einem gestrauchelten und zerrissenen Land neue Hoffnung zu geben, vor allem den unteren Schichten. Er wäre sicherlich neuer Präsident geworden, hätte es eben diesen 4. Juni 1968 nicht gegeben. Emilio Estevez schildert die Erlebnisse dieses Tages aus der Sicht diverser und völlig unterschiedlicher Menschen am Ort des Geschehens, dem Ambassador Hotel in Los Angeles, für die nach diesem Tag nichts mehr so sein sollte, wie zuvor.

Man mag Estevez ein solches Projekt fast nicht zutrauen, denn in den vergangenen Jahren war es erstaunlich still um ihn. Fünf Jahre dauerten die Vorbereitungen für seinen Film, den er sein ganzes Leben lang verwirklichen wollte. Das Ergebnis enttäuscht sicher nicht, jedoch übertreibt es der Schauspieler und Filmemacher beizeiten in der ausufernden Art, immer neue Figuren vorzustellen. Diese sind weitgehend fiktiver Natur, wenngleich Estevez nicht verfremdet. Sein Interesse galt nicht einem Polit-Thriller á la „J.F.K.“, vielmehr möchte er die Stimmungen eines Landes einfangen, gebeutelt von innerer und äußerer Gewalt, zerrissen in der Kluft zwischen Arm und Reich. Kennedy wird als Heilsbringer dargestellt, als Visionär einer besseren Zukunft, der er vielleicht oder sicherlich auch geworden wäre. Immer wieder lässt Estevez Originalaufnahmen einfließen, er verzichtet bewusst darauf, Kennedy in Form eines Schauspielers zu zeigen.

Die Depression der damaligen Zeit wird anhand vieler unterschiedlicher Figuren gezeigt, vom kleinen Tellerwäscher bis hin zum Wahlkampfhelfer. Jede Figur verbindet der Glaube an etwas Besseres, jede Figur hat ihre eigenen Probleme. Hier gelingt es Estevez, einen Querschnitt der damaligen Gesellschaft darzustellen. Allerdings in solch geballter Form, dass man als Betrachter zwangsläufig ins Straucheln kommt. Dafür gibt sich ein Star nach dem anderen die Klinke in die Hand, ein derart hohes Aufkommen namhafter Künstler war schon längere Zeit nicht mehr im Kino zu sehen. Etablierte Mimen wie Sharon Stone („Casino“), Demi Moore („Ghost“), Christian Slater („True Romance“), William H. Macy („The Cooler”), Heather Graham („Boogie Nights”), Helen Hunt („Besser geht’s nicht”) oder Laurence Fishburne („King of New York”) ergänzen sich mit mehr oder weniger etablierten Darstellern der jüngeren Generation, solchen wie Ashton Kutcher („Butterfly Effect”), Shia LeBeouf („Transformers”), Elijah Wood („Herr der Ringe“), Lindsay Lohan („Freaky Friday“), David Krumholtz („Numb3rs”), Joshua Jackson („The Skulls”) oder Mary Elizabeth Winstead („Final Destination 3″). Dazu dürfen auch Schauspiel-Dinosaurier wie Anthony Hopkins („Das Schweigen der Lämmer“), Estevez’ Vater Martin Sheen („Apocalypse Now“) oder Musiker Harry Belafonte („Kansas City”) nicht fehlen.

Zwischendurch fällt es ein wenig schwer, die eigentliche Intention von Emilio Estevez zu erkennen. Dies wird allerdings gen Ende deutlich, wenn sich das Gesamtwerk im nicht aufzuhaltenden Showdown entlädt. Was vorher zu viel des Guten war, in manchen Fällen auch schlichtweg belanglos, entlädt sich in einem bewegenden Finale. Wenn Kennedys Trauerrede für den wenige Wochen zuvor bereits erschossenen Martin Luther King im Hintergrund läuft weiß man, was Estevez ausdrücken wollte. Man kann „Bobby“ so und so sehen, denn in manchen Szenen mag der Film überzeugen, in anderen wiederum nicht. Wenn er zu sehr auf die Tränendrüse drückt, geht dies häufig schief, zudem sind manche Episoden schlichtweg fehl am Platze. Dem Mythos Kennedy wird er aber durchaus gerecht werden.

Wertung: (6 / 10)

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