Blutiges Blei (I/E 1969)

blutiges-bleiWenn der Italo-Western mit Politik in Berührung kam, dann zumeist vor dem Hintergrund revolutionsorientierter Themenvorgaben. „Blutiges Blei“ ist eine seltene Ausnahme, weil dem Genrestandard der Pferdeoper unverblümt Elemente des Polit-Thrillers beigemischt werden. Zwar nur mit begrenztem Tiefgang, dafür mit leicht erkennbarem Realbezug. Denn die Beseitigung eines demokratischen Präsidenten (Van Johnson, „Der Mörder-Alligator“) trägt deutliche Züge der Ermordung John F. Kennedys. Zumal auch die Wildwestanlehnung in Dallas ihren Handlungsort findet.

Dass Regisseur Tonino Valerii („Sie verkaufen den Tod“) ein eher durchschaubares Plädoyer für Gleichheit und Brüderlichkeit auftischt, nimmt seinem Werk streckenweise den Anspruch, führt über eine spannungsbetonte Inszenierung aber dennoch ans hehre Ziel. Dafür sorgt auch Saubermann Giuliano Gemma („Der lange Tag der Rache“), der als Bill Willer mitten hineingezogen wird in das politische Komplott. Die Verantwortung dessen tragen – schließlich befinden wir uns in Amerika kurz nach dem Bürgerkrieg – fanatische Anhänger des Südens. Für diese ist der Konflikt trotz Niederlage und Abschaffung der Sklaverei längst nicht entschieden. Umso größer wiegt die Schmach einer liberalen Präsidentschaftspolitik.

Ausgerechnet im kaum zur Ruhe gekommenen Texas will der mächtigste Mann des Landes, ganz Idealist, die Gleichwertigkeit des Individuums predigen. Hinter verschlossenen Türen wird derweil an seiner Liquidierung gefeilt. Die Kollaborateure der Umstürzler, zu denen auch der Vizepräsident zählt, sind zahlreich. Einer von ihnen ist Sheriff Jefferson (Benito Stefanelli, „Todesmelodie“). Als einer seiner Handlanger vor Willers Vater Andeutungen zur Tat macht, wendet sich dieser vertrauensvoll an die Obrigkeit. Sein gewaltsames Ableben lässt nicht lange auf sich warten. Dem Filius treibt das berechtigterweise die Zornesröte ins Gesicht. Noch mehr, als seinem Freund, dem schwarzen Ex-Soldat Jack Dononvan (Ray Saunders, „Adios Companeros“), der folgende Mord am Staatsmann untergeschoben wird.

Die straffe Regie schafft den Spagat zwischen politischer Hintergründigkeit – gerade im Bezug auf die Manipulation der Presse – und purer Unterhaltung. Denn natürlich gerät auch Bill in Verdacht, saß der doch zu Kriegszeiten wegen Hochverrats im Gefängnis ein. Gemeinsam mit dem Regierungsbeamten McDonald (Warren Vanders, „Nevada Smith“) macht er sich an die Entschlüsselung der Hintergründe, stets Gefahr laufend selbst zum Opfer der Verschwörer zu werden. Die Grundidee hat Schmiss, die handwerkliche Umsetzung überzeugt. Da stört wenig, dass Valerii im Schlussdrittel die Zügel schleifen lässt und sich sich über offene Rechnungen einem absehbaren Finale und – damit verbunden – einem kernigen Showdown entgegen hangelt.

Alles passt sicher nicht bei „Blutiges Blei“. Trotz kleinerer Schwächen und dramaturgischen Unzulänglichkeiten – im Falle der deutschen Fassung darüber hinaus diverser Handlungskürzungen – bleibt aber ein insgesamt ungewöhnlicher wie sehenswerter Spaghetti-Western. Neben dem Regisseur, der sein Handwerk als Gehilfe von Altmeister Sergio Leone („Spiel mir das Lied vom Tod“) verfeinern sollte, leisten auch Kameramann Stelvio Massi („Beichtet, Freunde, Hallelujah kommt“) und Komponist Luis Enríque Bacalov („Django“) ihren Beitrag zur formalen Stärke, der die guten Schauspieler nachhaltig sicheren Beistand leisten.

Wertung: (7 / 10)

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