Blue Moon – Als Werwolf geboren (USA 2011)

blue-moon-als-werwolf-geborenNicht wenige Horrorfilm-Reihen sind den Genregönnern einzig durch den grandiosen Auftakt in Erinnerung geblieben. Denn da wäre noch die Sache mit den Fortsetzungen. Dass bei sechs oder sieben Fortführungen mindestens sechs oder sieben verdammt mies sein können, beweist unter anderem die Lykanthropen-Anthologie „The Howling“ (dt. Titel: „Das Tier“). Joe Dantes 81er Original mag so ziemlich jeder, doch bereits das vier Jahre später entstandene erste Sequel ist trotz seines hohen Unterhaltungswertes – Trash wird hier gaaanz groß geschrieben – und dem Mitwirken der B-Ikonen Christopher Lee und Sybil Danning (auch den vergessenen Reb Brown bekommt man zu Gesicht) qualitativ schon ein ganz anderes Kaliber. Aber was danach folgte, ist keiner Rede mehr wert.

So ist auch der neue, mittlerweile achte Teil der geschundenen Reihe, der sich, man munkelte es, fast als Reboot präsentieren wollte, eine vergessenswürdige Angelegenheit. In den Credits wird damit gerühmt, die folgenden 93 Minuten würden Gary Brandners originalen Fortsetzungsroman von 1979 wiedergeben. Doch genauso wie der zweite Teil der Filmreihe erzählt der kalkuliert zeitgenössischste der „Howling“-Teile eine völlig andere Geschichte als die des Buches. Es geht um Halb-Nerd Will (Landon Liboiron, „Altitude“), der es fast geschafft hat, die Highschool zu überleben. Wenn man so aussieht wie Harry Potter (siehe Cover) und als einzigen Freund einen Filmfreak an seiner Seite weiß, ist der erste Bildungsweg nicht grade ein Paradies.

Seit Jahren zeichnet er heimlich Elianna (Lindsey Shaw, „No One Lives“), konnte aber (natürlich) nie den Mut fassen, sie auch nur anzusprechen. Doch just in den letzten Schultagen bemerkt das schlaue Mädchen die Porträts, und wie sollte es anders sein, um sie ist es geschehen. Selbst Wills solide Stalker-Qualitäten können das nicht ändern. Zwischen Will, Elianna und ihrem Freund Roland (Niels Schneider) entfacht ein Kampf um die Gefühle. Ach ja, Werwölfe kommen später auch noch hinzu. Beim Bestaunen des Covers dürfte man(n) sofort eines in den Sinn kommen: „Twillight“ ohne Vampire, dafür (nur) mit Werwölfen. Und zu sehen bekommt man(n): „Twillight“, ohne Vampire, dafür (nur) mit Werwölfen.

Aber die Schauergestalten zeigen sich erst nach geschlagenen 60 Minuten. Der Kern des Films ist nun einmal die sich anbahnende Juvenilen-Romanze, die aber, eben wie im „großen“ Vorbild um die funkelnden Blutsauger, natürlich komplett an den Haaren herbei gezogen ist. Die zwei Backfische kennen sich erst seit zwei Tagen, verfallen aber in Schmachtereien über infinitive Bindung und vergessen es auch nicht, als sie von blutdürstigen Kreaturen der Nacht gejagt werden, sich an ihre schönsten gemeinsamen Momente zu erinnern (!). Ach, schön ist es jung zu sein! Überhaupt darf herzhaft gelacht werden, wenn Wills Buddy Sachin (Jesse Rath) nicht nur alles über Filme weiß, sondern sich auch als Koryphäe auf dem Gebiet der Lykanthropie entpuppt.

Etwas naiv kommt auch seine Aussage daher, dass die modernen Meyer´schen Glitter-Vampire Weicheier und alle (anderen) Werwolf-Filme doof seien, weil man immer Schauspieler über 40 engagiert. Da ist die Frage erlaubt, welche Zielgruppe die Macher mit ihrem Werk anlocken wollten? Immerhin sind die Monster-Outfits gar nicht mal so übel geworden, zum Großteil erinnern sie sogar an das Design des Originals. Weniger erfreulich ist aber die Tatsache, dass die deutsche Fassung zugunsten einer geringeren Freigabe um etwa sechs Minuten kürzer ausfällt als die Originalversion. Wobei „The Howling Reborn“ damit immerhin früher vorbei ist!

Wertung: (3 / 10)

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